132  15.  Einheit  von  Preußen  und  Deutschland.

den  preußischen  Staat,  der  das  deutsche  Volk  zur  Einheit,  zur  Macht,  zur
Größe  geführt  hat
(bravo!  rechts),

den  preußischen  Staat,  ohne  den  es  ein  Deutsches  Reich  nicht  geben  würde.

Der  Herr  Abgcordnete  Bebel  hat  hier  vorgestern  geäußert,  es  würde
kein  Unglück  sein,  wenn  der  preußische  Staat  verschwände.  Diese  Äußerung
stand  ganz  auf  der  Höhe  der  Bemerkung,  die  der  Abgeordnete  Bebel  auf  dem
internationalen  Sozialistenkongreß  in  Amsterdam  gemacht  haben  soll,  näm—
lich,  daß  es  kein  Unglück  sein  würde,  wenn  Deutschland  auf  dieselbe  Weise
zur  Republik  gelangte  wie  Frankreich,  auf  dem  Wege  einer  großen  aus—
wärtigen  Niederlage.

(Hört!  hört!  rechts.)
Solche  Außerungen  bereiten  allen  Feinden  und  allen  Neidern  Deutschlands
  in  der  ganzen  Welt  immer  die  innigste  Freude.  Demgegenüber  will
ich  betonen:  das  Reich  kann  Preußen  nicht  missen,  aber  Preußen  kann  auch
das  Reich  nicht  entbehren.  Das  ist  das  segensreiche,  das  glorreiche  Ergebnis
der  preußischen  und  deutschen  Geschichte  seit  250  Jahren;  das  ist  die  Frucht
der  Arbeit  und  der  Genialität  des  Großen  Kurfürsten  und  des  Großen  Königs
und  der  Männer  von  1813.  Das  ist  vor  allem  das  Ergebnis  der  Bismarckschen
Politik.
(Bravok  rechts  und  bei  den  Nationalliberalen.)
Als  während  der  Konfliktszeit  der  Kronprinz  in  einem  Gespräch  mit  dem
damaligen  Minister  v.  Bismarck  diesem  sagte,  wenn  er  es  so  weiter  triebe,
werde  er  es  noch  dahin  bringen,  daß  ihn  das  Volk  aufhänge,  da  erwiderte
der  große  Minister:  was  schadet  das,  wenn  nur  der  Strick,  an  dem  ich  baumle,
Preußen  und  das  Haus  der  Hohenzollern  fest  verbindet  mit  einem  geeinigten
und  starken  Deutschland?!
(Lebhaftes  Bravo.)

Als  Fürst  Bismarck,  nachdem  die  Entscheidung  gefallen  war,  vor  42  Jahren
seinen  greisen  König  bewog,  den  süddeutschen  Staaten  die  Hand  zur  Versöhnung
  hinzustrecken  und  ihnen  den  freiwilligen,  den  ehrenvollsten  Eintritt
  in  das  neue  Reich  offenzuhalten  —  den  Einzelstaaten,  deren  Eigenart
niemals  verkannt  worden  ist  noch  verkannt  werden  soll,  deren  verfassungsmäßige
  Rechte  und  deren  volle  Gleichberechtigung  als  Bundesstaaten  nie
verkannt  worden  sind  und  niemals  verkannt  werden  sollen  —,  als  Fürst
Bismarck  gleichzeitig  durch  die  Indemnitätsvorlage  den  Frieden  mit  der
eignen  Volksvertretung  wiederherstellte,  da  verband  er  für  immer  und
unauflöslich  die  Schicksale  Preußens  mit  den  Schicksalen  des  Deutschen