März  1908.  133

Reichs.  In  dieser  Einheit  ruht  die  Zukunft  der  Nation,  diese
Einheit  ist  unser  höchstes  Gut,  diese  Einheit  —  das  betone  ich  nicht
nur  vor  dem  Julande,  sondern  auch  vor  dem  Auslande  —,  diese  Einheit
  wird  weder  durch  auswärtige  Angriffe  noch  durch
innere  Krisen  je  wieder  zerstört  werden  können.

(Stürmischer  Beifall.)

Der  Reichstag  wurde  am  7.  Mai  1908  vertagt.  Unter  dem  11.  Mai  richtete  der
Kaiser  an  den  Reichskanzler  das  folgende  Telegramm:  „Offenburg,  11.  Mai  1908.
Ich  habe  aus  Euerer  Durchlaucht  Bericht  vom  7.  d  M.  mit  großer  Befriedigung  entnommen,
  eine  wie  ausgiebige  Tätigkeit  der  Reichstag  in  seiner  soeben  geschlossenen
Session  entfaltet  und  welch  eine  bedeutende  Anzahl  wichtiger  Gesetzesvorlagen  und
Verträge  derselbe  erledigt  hat.  Zu  diesem  sehr  erfreulichen  Ergebnis,  welches  neben  der
patriotischen  Haltung  des  Reichstags  in  erster  Linie  das  Verdienst  Ihrer  und  Ihrer  Mitarbeiter
  geschickten  und  unermüdlichen  Bemühungen  ist,  spreche  Ich  Euerer  Durchlaucht
wiederholt  von  Herzen  Mc  ne  Kaiserliche  Anerkennung  und  Meinen  aufrichtigen  Dank
aus.  Möge  dem  Vaterlande  diese  nutzbringende  Arbeit  des  Reichstags  zum  immerwährenden
  Segen  gereichen  und  für  denselben  ein  Ansporn  sein,  die  großen  ihm  noch
bevorstehenden  Aufgaben  in  gleicher  Weise  auch  fernerhin  einem  erfolgreichen  Ende
zuzuführen.  gez.  Wilhelm  I.  R.“

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Aus  der  Thronrede,  mit  der  der  Landtag  am  20.  Oktober  1908  eröffnet  wurde,
seien  folgende  Absätze  hervorgehoben:

„Mit  dem  Erlaß  der  Verfassung  ist  die  Nation  in  die  Mitarbeit  auch
an  den  Geschäften  des  Staates  eingetreten.  Es  ist  mein  Wille,  daß  die
auf  ihrer  Grundlage  erlassenen  Vorschriften  über  das  Wahlrecht  zum
Hause  der  Abgeordneten  eine  organische  Fortentwicklung  erfahren,  welche
der  wirtschaftlichen  Entwicklung,  der  Ausbreitung  der  Bildung  und  des
politischen  Verständnisses,  sowie  der  Erstarkung  staatlichen  Verantwort—
lichkeitsgefühls  entspricht.  Ich  erblicke  darin  eine  der  wichtigsten  Auf—
gaben  der  Gegenwart.  Ihre  Bedeutung  für  das  gesamte  Staatsleben
erfordert  umfassende  Vorarbeiten,  die  von  meiner  Regierung  mit  allem
Nachdruck  betrieben  werden

In  jüngster  Zeit  haben  sich  im  nahen  Orient  Ereignisse  vollzogen,
die  die  Aufmerksamkeit  Europas  in  Anspruch  nehmen.  Sind  wir  dort
auch  politisch  weniger  interessiert  als  andere  Mächte,  so  erfordern  jene
Vorgänge  doch  ernste  Beachtung.  Das  Deutsche  Reich  wird  in  treuer
Gemeinschaft  mit  seinen  Verbündeten  für  eine  friedliche  und  gerechte
Lösung  der  gegenwärtigen  Schwierigkeiten  eintreten.“