November  1908.  137

hüllung  kann  gar  keine  Rede  sein.  Man  hat  gesagt,  die  Kaiserliche  Mit—
teilung  an  die  Königin  von  England,  daß  Deutschland  einer  Anregung
zur  Mediation  oder  Intervention  keine  Folge  gegeben  habe,  verstoße  gegen
die  Regeln  des  diplomatischen  Verkehrs.
Meine  Herren,  ich  will  nicht  an  Indiskretionen  erinnern,  an  denen  die

diplomatische  Geschichte  aller  Länder  und  aller  Zeiten  reich  ist.

(Sehr  richtig!  rechts.)
Die  sicherste  Politik  ist  vielleicht  diejenige,  die  keine  Indiskretionen  zit
fürchten  braucht.

(Sehr  richtig!  links.)

Um  im  einzelnen  Falle  beurteilen  zu  können,  ob  eine  Verletzung
des  Vertrauens  vorliegt,  muß  man  mehr  von  den  näheren  Umständen
wissen,  als  in  dem  Artikel  des  „Daily  Telegraph“  gesagt  worden  ist.  Die
Mitteilung  konnte  berechtigt  sein,  wenn  von  irgend  einer  Seite  versucht
worden  war,  unsere  Ablehnung  zu  entstellen  oder  unsere  Haltung  zu  verdächtigen.
  Es  können  Dinge  vorausgegangen  sein,  die  eine  Berührung  der  Angelegenheit
  in  einer  vertraulichen  Korrespondenz  mindestens  erklärlich  machen.

Meine  Herren,  ich  sagte  vorher,  in  dem  Artikel  des  „Daily  Telegraph“
wären  manche  Aueèdrücke  zu  stark  gewählt.  Das  gilt  zunächst  von  der  Stelle,
wo  der  Kaiser  gesagt  haben  soll,  die  Mehrheit  des  deutschen  Volkes  sei
England  feindlich  gesinntt).  Zwischen  Deutschland  und  England  haben
Mißverständnisse  stattgefunden,  ernste,  bedauerliche  Mißverständnisse.  Aber
ich  weiß  mich  einig  mit  diesem  ganzen  hohen  Hause  in  der  Auffassung,
daß  das  deutsche  Volk  auf  der  Basis  gegenseitiger  Achtung  friedliche  und
freundliche  Beziehungen  zu  England  wünscht

(allseitiges  lebhaftes  Bravoy,
und  ich  konstatiere,  daß  sich  die  Redner  aller  Parteien  heute  im  gleichen
Sinne  ausgesprochen  haben.
(Sehr  richtig!)

Die  Farben  sind  auch  zu  stark  aufgetragen  an  der  Stelle,  die  Bezug
hat  auf  unsere  Interessen  im  Pazifischen  Meere2).  Sie  ist  in  einem  für

1)  Die  Stelle  lautet:  (Der  Kaiser  spricht:)  „Ich  kann  nur  wiederholen,  daß  ich
ein  Freund  Englands  biu.  Aber  ich  bin  in  meinem  Lande  mit  diesem  Gefühl  in  der
Minderheit.  In  breiten  Schichten  Deutschlands,  unten  und  im  Mittelstand,  ist  die  Stimmung
  euch  unfreundlich.  Mit  allen  Mitteln  arbeite  ich,  mit  aller  Kraft  arbeite  ich  an
der  Besserung  unserer  Beziehungen."“

:)  Es  war  da  gesagt,  daß  der  deutsche  Flottenbau  England  nicht  bedrohe,  daß  sich
aber  im  Stillen  Ozean  große  Entscheidungen  vorbereiteten,  angesichts  des  raschen  Auf-