138  16.  Die  Veröffentlichung  im  „Daily  Telegraph“.

Japan  feindlichen  Sinne  ausgelegt  worden.  Mit  Unrecht.  Wir  haben
im  fernen  Osten  nie  an  etwas  anderes  gedacht  als  an  dies:  für  Deutsch—
land  einen  Anteil  an  dem  Handel  Ostasiens  bei  der  großen  wirtschaftlichen
Zukunft  dieser  Gebiete  zu  erwerben  und  zu  behaupten.  Wir  denken  nicht
daran,  uns  dort  auf  maritime  Abenteuer  einzulassen;  aggressive  Tendenzen
liegen  dem  deutschen  Flottenbau  im  Stillen  Ozean  ebenso  fern  wie  in
Europa.  Im  übrigen  stimmt  Seine  Majestät  der  Kaiser  mit  dem  verantwortlichen
  Leiter  der  auswärtigen  Politik  völlig  überein  in  der  Anerkennung
der  hohen  politischen  Bedeutung,  die  sich  das  japanische  Volk  durch  politische
Tatkraft  und  militärische  Leistungsfähigkeit  errungen  hat.  Die  deutsche
Politik  betrachtet  es  nicht  als  ihre  Aufgabe,  dem  japanischen  Volk  den
Genuß  und  den  Ausbau  des  Erworbenen  zu  schmälern.

Meine  Herren,  ich  habe  überhaupt  den  Eindruck,  als  wäre,  wenn  die
materiellen  Dinge  —  vollends  in  richtiger  Form  —  einzeln  bekannt  geworden
wären,  die  Sensation  keine  große  gewesen;  auch  hier  war  wieder  einmal
die  Summe  mehr  als  alles  einzelne  zusammen.  Vor  allem,  meine  Herren,
sollte  man  über  der  materiellen  Seite  nicht  ganz  die  psychologische,  die
Tendenz  vergessen.  Seit  zwei  Jahrzehnten  ist  unser  Kaiser  bemüht,  unter
oft  sehr  schwierigen  Verhältnissen  freundschaftliche  Beziehungen  zwischen
Deutschland  und  England  herbeizuführen.  Dies  ehrliche  Streben  hat  mit
Hindernissen  zu  kämpfen  gehabt,  die  manchen  entmutigt  hätten.  Die
leidenschaftliche  Parteinahme  unseres  Volkes  für  die  Buren  war  menschlich
begreiflich,;  Teilnahme  für  den  Schwächeren  ist  gewiß  sympathisch.  Diese
Parteinahme  hat  aber  auch  zu  ungerechten  und  vielfach  maßlosen  Angriffen
gegen  England  geführt.  Und  ebenso  sind  von  englischer  Seite  ungerechte
und  gehässige  Angriffe  gegen  Deutschland  gerichtet  worden.  Unsere  Absichten
  wurden  verkannt,  es  wurden  uns  feindliche  Pläne  gegen  England
untergeschoben,  an  die  wir  nie  gedacht  haben.  Der  Kaiser,  mit  Recht  von
der  Uberzeugung  durchdrungen,  daß  dieser  Zustand  für  beide  Länder  ein
Unglück  und  eine  Gefahr  für  die  zivilisierte  Welt  war,  hat  unentwegt  an
dem  Ziel  festgehalten,  das  er  sich  vorsetzt.  Uberhaupt  geschieht  dem  Kaiser
mit  jedem  Zweifel  an  der  Reinheit  seiner  Absichten,  an  seiner  idealen
Gesinnung  und  seiner  tiefen  Vaterlandsliebe  schweres  Unrecht.

Meine  Herren,  wir  wollen  alles  unterlassen,  was  wie  übertriebene
Werbung  um  fremde  Gunst,  was  wie  nach  Unsicherheit  und  nach  Nachlaufen
  aussieht;  aber  ich  verstehe,  daß  der  Kaiser,  gerade  weil  er  sich  bewußt

stiegs  von  Japan;  daß  neue  Aufgaben  im  fernen  Osten  von  den  europäischen  Mächten
zu  bewältigen  seien  und  daß  wir  dazu  eine  starke  Flotte  brauchten,  wenn  einst  in  diesem
Kampfe  britische  und  deutsche  Geschwader  für  dieselbe  Sache  fechten  würden.