November  1908.  139

war,  eifrig  und  ehrlich  an  einem  guten  Verhältnis  mit  England  gearbeitet
zu  haben,  sich  gekränkt  fühlte,  wenn  er  immer  wieder  Gegenstand  von
Angriffen  gewesen  ist,  die  seine  besten  Absichten  verdächtigten.  Ist  man
doch  so  weit  gegangen,  seinem  Interesse  für  die  deutsche  Flotte  geheime
Absichten  gegen  englische  Lebensinteressen  unterzuschieben,  Absichten,  die
ihm  vollständig  fern  liegen.  Da  hat  er  in  Privatgesprächen  mit  englischen
Freunden  durch  den  Hinweis  auf  sein  Verhalten  in  einer  für  England
schwierigen  Zeit  den  Beweis  führen  wollen,  daß  er  in  England  verkannt
und  falsch  beurteilt  werde.

Meine  Herren,  die  Einsicht,  daß  die  Veröffentlichung  dieser  Gespräche
in  England  die  von  Seiner  Majestät  dem  Kaiser  gewollte  Wirkung  nicht
hervorgerufen,  in  unserem  Lande  aber  tiefe  Erregung  und  schmerzliches
Bedauern  verursacht  hat,  wird  —  diese  feste  Uberzeugung  habe  ich  in
diesen  schweren  Tagen  gewonnen  —  Seine  Majestät  den  Kaiser  dahin
führen,  fernerhin  auch  in  Privatgesprächen  jene  Zurückhaltung  zu  beobachten,
  die  im  Interesse  einer  einheitlichen  Politik  und  für  die  Autorität
der  Krone  gleich  unentbehrlich  ist.

(Bravol  rechts.)

Wärc  dem  nicht  so,  so  könnte  weder  ich  noch  einer  meiner  Nachfolger  die
Verantwortung  tragen.

(Bravo!  rechts  und  bei  den  Nationalliberalen.)

Für  den  Fehler,  der  bei  der  Behandlung  des  Manuskriptes  jenes
Artikels  des  „Daily  Telegraph“  gemacht  worden  ist,  trage  ich,  wie  ich
schon  in  der  „Norddeutschen  Allgemeinen  Zeitung“  habe  sagen  lassen,  die
ganze  Verantwortung.  Auch  widerstrebt  es  meinem  persönlichen  Empfinden,
Beamte,  die  ihr  Leben  lang  ihre  Pflicht  getan  haben,  deshalb  zu  Sündenböcken
  zu  stempeln,  weil  sie  sich  in  einem  Falle  zu  sehr  darauf  verlassen
haben,  daß  ich  meist  alles  selbst  lese  und  im  letzten  Ende  entscheide.

Mit  Herrn  v.  Heydebrand  bedaure  ich,  daß  in  der  Maschinerie  des
Auswärtigen  Amtes,  die  elf  Jahre  unter  mir  tadellos  funktioniert  hatte,
sich  einmal  ein  Defekt  gezeigt  hat.  Ich  stehe  dafür  ein,  daß  so  etwas  nicht
wieder  vorkommt,  und  daß  zu  diesem  Zweck  ohne  Ungerechtigkeit,  aber  auch
ohne  Ansehen  der  Person  das  Erforderliche  veranlaßt  wird.

(Bravol)

Als  der  Artikel  des  „Daily  Telegraph“  erschienen  war,  dessen  verhäugnisvolle
  Wirkung  mir  nicht  einen  Augenblick  zweifelhaft  sein  konnte
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