146  17.  Die  Reichsfinanzreform.

und  der  Stand  der  Anleihen  dauernd  herabgemindert  worden

(sehr  richtig!),
nur  so  ist  der  Stand  unserer  Werte  gegenüber  den  ausländischen  zu  ver—
stehen.  Während  die  vierprozentige  deutsche  Reichsanleihe  rund  99  notierte,
standen  Italiener  auf  104,75,  Spanier  96,95,  Türken  96,65;  zweieinhalbprozentige
  englische  Konsols  wurden  zu  87,50  gehandelt,  dreiprozentige
französische  Rente  zu  95,30,  dreiprozentige  deutsche  Reichsanleihe  stand
knapp  83.

(Hört!  hört!)

Die  wirtschaftlichen  Folgen  dieses  Zustandes,  die  Mehrkosten,  welche  der
steigende  Zinsfuß  für  den  Schuldendienst  verursacht,  die  Verluste,  die
beklagenswerten  Verluste  der  deutschen  Anleger  am  sinkenden  Konsol,
die  Einwirkung  des  steigenden  Zinsfußes  auf  den  Reichsbankdiskont  und
die  daraus  hervorgehenden  Nachteile  für  Landwirtschaft,  Industrie  und
Handel,  das  alles  wird  in  diesem  hohen  Hause  ja  noch  eingehend  erörtert
werden.  Ich  erbitte  jetzt  Ihre  Aufmerksamkeit  nur  noch  für  einige  wenige
Zahlen.

Im  Jahre  1895/96  erzielte  das  Reich  für  seine  dreiprozentigen  Anleihen
  in  Höhe  von  32  ¼  Millionen  Mark  einen  durchschnittlichen  Begebungspreis
  von  99,30.  Seither  hat  es  Anleihen  zu  3,  3½  und  4%  ,  im
Gesamtbetrage  von  1  Milliarde  782  Millionen  Mark,  begeben,  für  die  es
einen  Erlös  von  1  Milliarde  686  Millionen  Mark  erhalten  hat,  und  deren
Zinsendienst  jährlich  59  Millionen  Mark  erfordert.  Wäre  es  dauernd  möglich
  gewesen,  den  Anleihebedarf  durch  Begebung  von  dreiprozentigen
Obligationen  zum  Kurse  des  Jahres  1895/96  zu  decken,  so  würde  zur  Erzielung
  des  gleichen  Erlöses  ein  um  84¼  Millionen  Mark  geringerer  Neunbetrag
  und  ein  jährlich  um  8,1  Millionen  Mark  geringerer  Zinsendienst
nötig  sein.  Ende  Oktober  1897  waren  an  Reichsanleihescheinen  zu  3  und
3½  %  2  Milliarden  152  Millionen  Mark  vorhanden,  deren  Kurswert
sich  auf  Grund  des  Durchschnittskurses  vom  Oktober  1897  auf  2  Milliarden
159  Millionen  Mark  stellte.  Nach  den  Kursen  vom  31.  August  1908  beläuft
derselbe  sich  dagegen  nur  noch  auf  1  Milliarde  906  Millionen  Mark,  sodaß
die  Gesamtheit  der  Besitzer  dieser  einheimischen,  mündelsicheren  Anleihen,
insonderheit  das  deutsche  sparende  Publikum  infolge  der  Verschlechterung
der  Marktlage  eine  Verminderung  dieses  seines  Vermögensstandes  um
252  Millionen  Mark  oder  um  11,71%  zu  beklagen  hat.  Das  ist  um  so
bedauerlicher,  als  es  sich  hier  vielfach  handelt  um  Verluste  kleiner  Rentner,
die  auf  eine  absolut  sichere  Anlage  ihrer  Ersparnisse  angewiesen  sind.  Für