November  1908.  147

die  seit  1896/97  begebenen  neuen  Reichsanleihen  hat  das  Publikum  einen
Erwerbspreis  von  insgesamt  1  Milliarde  697  Millionen  Mark  zu  bezahlen
gehabt,  während  diese  Anleihebeträge  auf  Grund  der  Kurse  vom  31.  August
1908  nur  noch  einen  Wert  von  1  Milliarde  586  Millionen  hatten.  Das
Publikum  hatte  mithin  an  diesem  Tage  gegenüber  dem  Emissionspreis
einen  kursmäßigen  Verlust  von  111  Millionen  Mark  oder  6,540  erlitten.
Ferner  beliefen  sich  die  1897  vorhandenen  dreiprozentigen  und  dreieinhalbprozentigen
  preußischen  Konsols  auf  6341  Millionen  Mark  nach  dem  Neunwert;
  der  Kurswert  betrug  nach  den  Durchschnittskursen  vom  Oktober
1897  6480  Millionen  Mark,  dagegen  nach  den  Kursen  vom  31.  August
1908  nur  noch  5766  Millionen  Mark.  Es  sieht  somit  die  Gesamtheit  der
Konsolsbesitzer  —  wiederum  besonders  das  deutsche  sparende  Publikum  —
ihren  Besitz  um  714  Millionen  Mark  oder  11%  im  Werte  vermindert.

(Hört!  hört!  rechts.)

Die  durchschnittliche  Realverzinsung  der  englischen  Konsols  im  Jahre
1907  stellte  sich  auf  2,98  0%,  die  der  französischen  Renten  auf  3,180%,  die
der  deutschen  dreiprozentigen  Reichsanleihe  auf  3,57%.  Zu  gleicher  Zeit
war  der  durchschnittliche  Bankdiskont  4,93  in  England,  3,46  in  Frankreich,
6,03  in  Deutschland.

(Hört!  hört!  rechts.)

Das  sind  die  Ziffern.  Ich  brauche  nicht  zu  sagen,  wie  sehr  diese  Unterschiede
  des  Zinsniveaus  auf  den  Finanzen  des  Staates,  auf  unserer  gesamten
  landwirtschaftlichen  und  industriellen  Produktion  lasten,  wic  sehr
sie  unsere  Produktionsbedingungen  vertenern,  wie  sehr  sie  unsere  Konkurrenzfähigkeit
  beeinträchtigen.  Die  politisch-militärischen  Folgen  aber
springen  aus  der  Karikatur,  auf  die  ich  vorhin  hinzuweisen  mir  erlaubte,
schon  klar  genug  hervor.  Hier  muß  gründlich  Wandel  geschaffen  werden.

(Sehr  richtig!  rechts.)

Meine  Herren,  ich  überlasse  es  meinem  Herrn  Nachbar,  dem  Herrn
Staatssekretär  des  Reichsschatzamts,  den  Ihnen  vorgeschlagenen  Steuerplau
  im  einzelnen  und  im  ganzen  darzulegen.  Dic  leitenden  Gedanken
  bei  der  Auswahl  der  neuen  Steuern  waren,
negativ:  keine  Belastung  des  notwendigen  Lebensbedarfs;
  positiv:  höhere  Besteuerung  allgemeiner
Genußmittel,  neue  Abgaben  für  die  Lieferung
von  Gas,  elektrischem  Licht  und  elektrischer  Kraft;
endlich:  stärkere  Heranziehung  des  Besitzes  in  der

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