148  17.  Die  Reichsfinanzreform.

Form  einer  erweiterten  Erbschaftsstener.  Die  Frage,
ob  direkte  oder  indirekte  Steuern,  stand  für  uns  nicht  in  erster  Linie,  denn
sie  ist  überwiegend  theoretischer  Natur.  Was  die  Anhänger  direkter  Steuern
erreichen  wollen,  deckt  sich  praktisch  im  wesentlichen  mit  dem,  was  ich  soeben
als  die  „stärkere  Heranziehung  des  Besitzes“  bezeichnete.  Dazu  treten
noch  erhöhte  Matrikularbeiträge.

Meine  Herren,  daß  das  deutsche  Volk  stark  genug  ist,  die  neuen  Lasten
zu  tragen,  daran  zweifelt  kein  Mensch  in  der  Welt.  Wir  alle  wissen,  daß
in  Deutschland  jährlich  über  3  Milliarden  in  Bier,  Wein  und  Branntwein
genossen  werden,  daß  wir  die  billigsten  und  preiswertesten  Zigarren  der
Welt  rauchen.  In  der  Norddeutschen  Brausteuergemeinschaft  entfallen
auf  den  Kopf  der  Bevölkerung  an  Abgaben  auf  das  Bier  nur  1,28  4,,
in  Großbritannien  dagegen  6,51  4c.

(Lebhaftes  Hört!  hört!)

An  Branntweinsteuer  beträgt  die  durchschnittliche  Belastung  auf  den  Kopf
bei  uns  2,39  A,  in  Frankreich  6,56  /,  in  den  Vereinigten  Staaten  6,47  A,
und  in  Großbritannien  gar  8,30  4.

(Hört!  hört!  rechts.)

Der  Tabak  endlich  ist  bei  uns  mit  1,37  .X  pro  Kopf  belastet,  in  Osterreich
dagegen  mit  4,73  K,  in  Großbritannien  mit  6,28  und  in  Frankreich  mit
7,56  46.

(Hört!  hört!)
Diesen  Zahlen  gegenüber  wird  mir  wohl  jeder  zugeben,  daß  diese  Genußmittel
  bei  uns  noch  eine  starke  Belastung  ertragen  können.

Ferner:  der  jährliche  Zuwachs  an  Nationalvermögen  wird  auf  3½
bis  4  Milliarden  Mark  geschätzt.  Allein  in  Börsenwerten  werden  jährlich
in  Deutschland  etwa  3  Milliarden  Mark  ausgenommen.  Dazu  kommen
500  Millionen  Mark  Sparkassenneueinlagen  und  225  Millionen  Mark
Einlagen  bei  Genossenschaftsbanken.  Die  Gesamtsumme  der  Einlagen.
in  den  Sparkassen  beträgt  mehr  als  14  Milliarden.  Der  Wert  der  Privatdepots
  bei  den  Banken  steigt  jährlich  um  400  Millionen  Mark.  Ein  solches
Land,  meine  Herren,  ist  nicht  arm;  ein  solches  Land  kann  noch  stärkere  Lasten
tragen,  wenn  das  Ansehen  des  Landes,  wenn  unsere  Sicherheit  es  erfordert.
Das  deutet  auch  nicht  auf  Niedergang  hin,  das  sieht  nicht  nach  Bankrott
aus.  Aber  einen  moralischen  Bankrott  erleiden  wir,  wenn  wir  nicht  endlich
Wandel  schaffen  und  mit  der  Schuldenwirtschaft  brechen.

(Zustimmung  rechts.)