150  17.  Die  Reichsfinanzreform.

Die  gleiche  Mahnung  richte  ich  —  und  nicht  minder  eindringlich  —
an  jeden  einzelnen  Deutschen.  Wir  haben  zu  lange  mit  unserer  Arbeit
wenig  verdient,  zu  lange  manches  entbehrt,  was  unsere  älteren  und  reicheren
Nachbarn  seit  lange  besaßen.  Reich  geworden,  glichen  wir  in  etwas  dem
jungen  Erben,  der  seine  Verhältnisse  überschätzt,  sich  nicht  einzurichten
versteht  und  nun  wahrnimmt,  daß  er  über  sein  Budget  hinaus  gelebt  hat.
Wir  waren  zu  lange  arm,  um  nicht  der  Versuchung  zu  erliegen,  es  unseren
reicheren  Nachbarn  im  Wohlleben  und  Luxus  gleichzutun.

(Hört!  hört!  bei  den  Sozialdemokraten.  —  Sehr  richtig!  rechts.)
Ich  will  es  offen  aussprechen:  es  ist  bei  uns  eine  Zeit  des  Luxus
(sehr  richtig!  rechts),
der  Uberschätzung  des  materiellen  Genusses  eingerissen
(sehr  richtig!  rechts;  sehr  richtig!  bei  den  Sozialdemokraten;  Zuruf:  Wo
deun?),
die  jeden  mit  ernster  Sorge  erfüllen  muß,  dem  das  höchste  Gut  unseres
Volkes,  seine  intellektuelle  Kultur,  am  Herzen  liegt.
(Sehr  richtig!)
Es  sind  das  die  Fehler  einer  Ubergangszeit.  Wir  müssen  alle  in  unserer
ganzen  Lebenshaltung  zurück  zu  größerer  Einfachheit.
(Sehr  richtig!  rechts  und  links.  —  Zuruf  von  den  Sozialdemokraten.)
—  Ich  nehme  niemanden  aus!  —  Sie  ist  würdiger,  sie  ist  vornehmer,
und  gerade  den  Deutschen,  meine  Herren,  kleidet  sie  besser.

Die  wirtschaftliche  Seite  dieser  Frage  ist  ebenso  wichtig  als  die  kulturelle.
Das  Wachstum  des  nationalen  Wohlstandes  beruht  nicht  allein  auf  der
Steigerung  der  Einnahmen,  es  beruht  auch  auf  der  Differenz  zwischen
diesen  Einnahmen  und  dem  Verbrauch.

(Sehr  richtig!)
Neben  den  Mehrverdienst  tritt  also  ein  anderer  Faktor,  die  Sparkraft.
Wer  weniger  verdient,  aber  spart,  ist  in  dieser  Beziehung  nützlicher  für
die  Nation,  als  wer  viel  verdient  und  viel  verbraucht.

(Sehr  richtig!  rechts.  —  Hört!  hört!  bei  den  Sozialdemokraten.)

Ich  weiß  sehr  wohl,  daß  bei  uns  jährlich  Milliarden  gespart  werden.  Aber
niemand  wird  mir  widersprechen  können,  wenn  ich  sage:  es  kann  bei  uns
noch  viel  mehr  gespart  werden.  Wir  sind  reich  geworden;  wir  müssen