November  1908.  151

aber  noch  viel  reicher  werden  für  unsere  ganze  wirtschaftliche  und  politische
Stellung  in  der  Welt.
(Sehr  richtig!  rechts.)

Von  jeher  war  Reichtum  ein  Mittel  zur  Macht.
(Sehr  richtig!  links.)

Er  wird  es  mit  jedem  Jahrzehnt  mehr,  weil  mit  jedem  Jahrzehnt  die  wirtschaftlichen
  und  finanziellen  Beziechungen  und  Abhängigkeitsverhältnisse
wichtiger  werden  für  die  internationalen  Beziehungen  und  für  die  Gruppierung
  der  Völker.

(Sehr  richtig!  rechts  und  bei  den  Nationalliberalen.)

Meine  Herren,  unterschätzen  Sie  die  Bedeutung  dieser  Sparkraft  nicht.
Wenn  Sie  an  meinen  Worten  zweifeln,  so  werfen  sie  einen  Blick  auf
Frankreich.  Frankreich  ist  an  Kapitalien  und  an  Liquidität  noch  immer
das  reichste  Land  der  Erde.  Ich  kenne  Frankreich  und  die  Franzosen;
ich  habe  viele  Jahre  in  Frankreich  zugebracht.  Frankreich  verdankt  seinen
Reichtum  seinem  gesegneten  Boden,  mehr  noch  dem  Fleiß  und  der  Geschicklichkeit
  seiner  Bewohner,  am  meisten  aber  seiner  bewunderungswürdigen
Sparkraft

(sehr  richtig!),
jener  force  d’épargne  des  einzelnen  Franzosen  und  der  einzelnen  Französin.
Dank  dieser  force  dépargne  ist  Frankreich  der  Bankier  der  Welt  geworden,
die  Franzosen  ein  Volk  von  Rentnern,  reich  durch  die  Arbeit  des  Auslandes,
das  ihre  Kapitalien  sucht  und  ihnen  Zinsen  zahlt.  Was  Frankreich  durch
seine  Produktion  weniger  verdient,  das  erspart  es  mehr  und  verdient  an
den  Zinsen  seiner  Ersparnisse  das  Weniger  seiner  Produktion.

Ich  bin  sicher,  Fachmänner  werden  diese  meine  Ausführungen  bestätigen,
sie  im  einzelnen  ergänzen  und  bereichern  können.  Alles  in  unserem  Volk,
Regierung,  Reichstag,  Gelehrte,  Presse,  sollte  zusammenwirken,  um  solche
Gedanken  in  unserem  Volke  lebendig  zu  erhalten.

Sie  schienen  mir,  meine  Herren,  eben  nicht  alle  mit  meinen  Ausführungen
  einverstanden.  Ich  kann  mir  denken,  was  Sie  sich  sagen.  Sie
sagen  sich,  es  sei  ungerecht,  vom  Volke  zu  verlangen,  daß  es  seine  Lebenshaltung
  einschränken

(sehr  richtig!  bei  den  Sozialdemokraten),

daß  es  auf  Nützliches  verzichten,  daß  es  sich  das  kleine  Vergnügen  versagen
  soll.  Niemand  denkt  daran  und  ich  am  allerwenigsten,  dem  kleinen