160  18.  Japanisch-Amerikanisches  Abkommen.

unserer  Presse  wieder  einmal  von  einer  Niederlage  der  deutschen  Politik
gesprochen.  Ich  glaube,  daß  diese  Regelung  die  besonnenen  und  friedliebenden
  Elemente  in  beiden  Ländern  befriedigen  kann

(sehr  richtig!  rechts  und  bei  den  Nationalliberalen),
und  sehe  in  der  gefundenen  Lösung  einen  Sieg  der  Vernunft.
(Sehr  richtig!  rechts  und  links.)

Meine  Herren,  es  macht  sich  vielfach  bei  uns  wie  auch  anderswo  bei
der  Beurteilung  solcher  Zwischenfälle  eine  Uberschätzung  der
sogenanuten  Prestigepolitik  geltend.  SEbenso  wie  es
Frauen  gibt,  die  keine  Schminke  nötig  haben,  so  gibt  es  Staaten,  die  stark
geung  sind,  um  zu  ihrem  eigenen  Vorteil  auf  eine  kleinliche  und  unfruchtbare
  Prestigepolitik  verzichten  zu  können.

(Bravo!  und  sehr  richtig!)

Suchen  wir  unseren  Vorteil  wie  unsere  Ehre  in  der  Erhaltung  der  Fundamente
  unserer  Machtstellung  und  in  der  Sicherung  der  Zukunft  des  deutschen
Volkes,  nicht  in  Eitelkeit  und  Flitter!

(Bravo!  und  sehr  gut!  rechts  und  links.)

Als  erfreulich  betrachte  ich  es  mit  dem  Herrn  Abgeordneten  Bassermann,
daß  für  die  Politik  beider  Staaten,  für  die  deutsche  wie  für  die  französische
Politik,  die  orientalische  Frage  keine  Divergenz,  vielmehr  manche  Berührungspunkte
  geliefert  hat.  In  den  Vorbesprechungen  wie  bei  mehreren
diplomatischen  Demarchen  haben  die  deutsche  und  die  französische  Regierung
Verständnis  für  diesen  günstigen  Umstand  gezeigt.

Uber  das  Abkommen,  meine  Herren,  das  die  Vereinigten
Staaten  und  Japan  über  ihre  pazifischen  Interessen  abgeschlossen
haben#),  will  ich  das  Nachstehende  sagen.  Der  Inhalt  dieses  Abkommens
ist  uns  von  den  Vertretern  der  beiden  beteiligten  Mächte  amtlich  mitgeteilt
worden.  Wir  haben  aus  diesen  Mitteilungen  ersehen,  daß  die  neue  Vereinbarung
  durchaus  im  Einklang  ist  mit  den  Prinzipien,  die  der  deutschen
Politik  im  ferneu  Orient  zugrunde  liegen:  das  sind  die  Prinzipien  des
open  door  auf  wirtschaftlichem  Gebiet,  des  status  quo  in  den  territorialen
Verhältnissen  und  der  Integrität  und  Unabhängigkeit  des  chinesischen
Reichs.  Wir  haben  keinen  Anlaß,  ein  Abkommen  anders  als  mit  Sympathie
  zu  betrachten,  das  eine  neue  Stütze  dieser  Prinzipien  und  damit
eine  weitere  Garantie  der  friedlichen  Entwicklung  des  fernen  Ostens  bildet.

1)  27.  November  1908.