Januar  1909.  169

und  mein  Nachbar  und  verehrter  Freund,  der  Frhr.  v.  Rheinbaben,  hat
bei  diesem  Anlaß  sogar  eine  sehr  schöne  Rede  gehalten.

(Heiterkeit)
Aber,  meine  Herren,  tempora  mutantur;  wir  können  in  unserer  gegenwärtigen
  Notlage  nicht  an  dieser  Steuer  vorbeigehen.  Deshalb  haben
Herr  v.  Rheinbaben  und  ich  uns  in  dieser  Beziehung  aus  Saulussen  in
Paulusse  verwandelt,

(Heiterkeit)
und  ich  hoffe,  daß  auch  für  Herrn  v.  Pappenheim  und  seine  Freunde  in
dieser  Beziehung  ein  Tag  von  Damaskus  kommen  wird.

(Heiterkeit.)

Das  würde  ich,  meine  Herren,  als  ein  großes  Glück  betrachten  für  die
Zukunft  des  Reiches  und  für  dieses  Land.  Es  gibt  Situationen,  meine
Herren,  wo  man  zwischen  verschiedenen  Ubeln  zu  wählen  hat.  Bei  Steuervorlagen
  pflegt  das  fast  immer  so  zu  sein.

(Heiterkeit.)

Auch  die  Gegner  der  Nachlaßsteuer  müssen  zugeben,  daß  die  Wahl  so  steht:
Nachlaßsteuer  oder  Reichsvermögenssteuer  oder  weiter  erhöhte  Matrikularbeiträgc.


Gegen  die  Reichsvermögenssteuer  sprechen,  wie  ich  eben  erwähnte,
ernste  Gründe  staatsrechtlicher  Natur.  Sie  würde  nach  der  Uberzeugung
der  verbündeten  Regierungen  die  Einzelstaaten  verhindern,  sich  ihren
Kulturaufgaben  weiter  genügend  zu  widmen.  Sie  würde,  wie  auch  ich
glaube,  de  kacto  auf  eine  Mediatisierung  der  Einzelstaaten  herauskommen.

Nun,  meine  Herren,  eine  weitere  Erhöhung  der  Matrikularbeiträge.
Und  deren  Deckung?  In  Preußen  steht  ja  schon  eine  weitere  Spannung
der  Einkommensteuer  um,  wie  ich  glaube,  zirka  50  Millionen  bevor,  und
ich  glaube,  mein  Herr  Nachbar  ist  nicht  ganz  sicher,  wie  es  möglich  sein
wird,  das  durchzusetzen,  und  glaubt  an  Widerstände  in  dieser  Richtung.
Die  Ergänzungssteuer?  Sie  würde  doch  auch  den  Grundbesitz  schwer  treffen.
Wenn  also  schon  in  Preußen  eine  weitere  Steigerung  der  Matrikularbeiträge
außerordentlich  schwierig  ist,  so  ist  es  noch  schwerer,  meine  Herren,  eine
solche  den  kleineren  und  finanziell  und  wirtschaftlich  schwächeren  Bundesstaaten
  zuzumuten.  Sie  sehen  also,  meine  Herren,  daß  sehr  ernste  Gründe
politischer,  wirtschaftlicher  und  finanzieller  Natur  für  die  Nachlaßsteuer
sprechen.  Unsere  Pflicht  ist  es  hierbei,  das  erkenne  ich  vollkommen  an,
Härten  zu  vermeiden,  nicht  schematisch  vorzugehen,  den  Verhältnissen