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21.  Marokto.

Auffassungen  nicht  im  Verhältnis  stand  zu  dem  durch  deren  Ver—
tretung  angerichteten  Schaden,  so  war  beiderseits  das  Bedürfnis  nach
Beseitigung  des  Gegensatzes  seit  einiger  Zeit  hervorgetreten.  Ab—
gesehen  von  diesen  Erwägungen  allgemein  politischer  Natur  hatte
sich  ferner  bei  den  beiden  Regierungen  die  Überzeugung  Bahn  ge—
brochen,  daß  der  bisherige  Zustand  ein  Hindernis  bildete  für  die
gedeihliche  Entwicklung  der  beiderseitigen  örtlichen  Interessen  in
Marokko  selbst  wie  auch  für  die  Gesundung  und  Erschließung  dieses
Landes,  auf  die  Deutschland  wie  Frankreich  besonderen  Wert
legen.

Aus  solchen  Erwägungen  allgemeiner  wie  lokal-politischer  Natur
ist  das  Abkommen  vom  9.  Februar  entstanden,  das  den  bisherigen
Zustand  zu  ändern  beabsichtigt.  Diese  Vereinbarung  sichert  Frank—
reich  als  dem  höher  zivilisierten  Nachbarlande  Marokkos,  das  an  der
Erhaltung  von  Ruhe  und  Ordnung  daselbst  besonders  interessiert
ist,  einen  nicht  unberechtigten  politischen  Einfluß,  ohne  ihm  die
Möglichkeit  zu  geben,  sich  das  Land  in  irgend  einer  Form  anzueignen;
Deutschland  aber  sichert  das  Abkommen  die  freie  Betätigung  von
Handel  und  Gewerbe  in  einem  unabhängigen,  dem  heutigen  Gebietsumfange
  entsprechenden  Marokko  sowie  die  Möglichkeit,  sich
an  gleicher  Betätigung  französischer  Kreise  zu  beteiligen  und  aus
deren  Errungenschaften  Nutzen  zu  ziehen.  An  die  Stelle  gegenseitiger
  Befehdung  sucht  das  Abkommen  eine  gemeinsame  Arbeit
zur  Erschließung  des  Landes  zu  setzen,  die  sehr  im  Sinne  beider
Regierungen  in  der  ruhigeren  Atmosphärc  der  letzten  Zeit  bereits
in  einigen  Fällen  praktische  Formen  angenommen  hat.

Es  folgen  dann  genaue  Anweisungen,  um  eine  streng  loyale  Durchführung
des  Abkommens  zu  sichern  und  ein  freundliches  Zusammenwirken  der
beiderseitigen  Vertretungen  in  Marokko  herbeizuführen.

Es  freut  mich,  meine  Herren,  daß  der  Widerspruch  gegen  dieses  Abkommen
  in  beiden  Ländern  gering  war  und  gegen  die  fast  allgemeine
Zustimmung  nicht  aufkommen  konnte.

(Sehr  richtig!  links.)

Bei  uns  hat  man  hier  und  da  von  einer  Inkonsequenz  unserer  Marokkopolitik
  gesprochen.  Ich  könnte  Ihnen,  meine  Herren,  in  einer  historischen
Betrachtung  nachweisen,  daß,  wenn  unsere  Methode  nicht  immer  die
gleiche  war,  doch  unser  sachlicher  Standpunkt  immer  derselbe  geblieben
ist.  Zeit  und  Umstände  sind  eben  immer  im  Fluß  und  Wechsel.  Deshalb