März  1909.  187

gemeinsam  repräsentieren,  und  das  bei  vielen  internationalen  Fragen
gemeinsam  in  die  Wagschale  geworfen  wird.

Meine  Herren,  ich  habe  irgendwo  ein  höhnisches  Wort  gelesen  über
unsere  Vasallenschaft  gegenüber  Osterreich-Ungarn.  Das  Wort  ist  einfältig!
(Sehr  richtig!  und  Heiterkeit.)

Es  gibt  hier  keinen  Streit  um  den  Vortritt  wie  zwischen  den
beiden  Königinnen  im  Nibelungenliede;  aber  die  Nibelungentreuc
  wollen  wir  aus  unserem  Verhältnis  zu  Österroich=
  Ungarn  nicht  ausschalten

(lebhaftes  Bravo),
die  wollen  wir  gegenseitig  wahren.
(Erneuter  Beifall.)

Meine  Herren,  damit  aber  äugstlichen  Gemütern  nicht  Bilder  blutigen
Kampfes  emporsteigen,  beeile  ich  mich,  hinzuzufügen,  daß  ich  gerade  in
unserem  festen  Zusammenstehen  mit  Osterreich-Ungarn  eine  eminente
Friedenssicherung  erblicke.

(Sehr  wahrl)

Die  Publizierung  des  österreich-ungarisch-deutschen  Bündnisses  1)  hat
seinerzeit  auf  kriegslustige  Elemente  in  Europa  beruhigend  eingewirkt.
Die  Konstatierung,  daß  dieses  Bündnis  auch  hente  nichts  von  seiner  Kraft
eingebüßt  hat,  kann  in  derselben  Richtung  nur  nüitzlich  wirken.
(Sehr  richtig!)

Den  Kritikern  aber,  meine  Herren,  die  mir  in  der  Presse  und  sonstwo  den
Buchstaben  des  Vertrags  entgegenhalten,  sage  ich  einfach,  daß  hier  der
Buchstabe  tötet.

Nun,  meinc  Herren,  weiß  ich  wohl,  daß  wir  Deutsche  der  Uberzeugung
  bedürfen,  auf  seiten  einer  gerechten  Sache  zu  stehen;  wir  haben
dieser  Uberzeugung  oft  genug  Opfer  gebracht.  Es  liegt  auch  im  deutschen
Charakter,  eine  Sache  gern  deshalb  für  die  gerechte  zu  halten,  weil  sie  die
schwächere  ist.

Meine  Herren,  diesmal  brauchen  wir  keine  Skrupeln  zu  haben,  und
sie  sind  meines  Wissens  auch  uirgends  bei  uns  hervorgetreten.  Es  unterliegt
  für  mich  nicht  dem  mindesten  Zweifel,  daß  Osterreich-Ungarn  in
seinem  Konflikt  mit  Serbien  das  Recht  durchaus  auf  seiner  Seite  hat.

(Lebhaftes  Schr  richtig.)

1)  Am  3.  Februar  1888.