190  21.  Osterreich.  Bündnis.  —  Deutsch-engl.  Verständigung  über  den  Flottenban.

geblieben,  die  unser  eigenes  Interesse  und  die  Loyalität  gegenüber  Osterreich-Ungarn
  einer  vermittelnden  Tätigkeit  setzen.  Ich  will  diese  Grenzen
genau  bezeichnen:  Wir  haben  keinen  Schritt  getan  und  werden  keinen
Schritt  tun,  der  den  mindesten  Zweifel  ließe  an  unserer  festen  Entschlossenheit,
  kein  österreichisch-ungarisches  Lebensinteresse  preiszugeben.

(Bravol)

Und  ebensowenig  sind  wir  dafür  zu  haben,  daß  an  ÖOsterreich-Ungarn
Zumutungen  gestellt  werden,  die  unvereinbar  wären  mit  der  Würde  der
habsburgischen  Monarchie.

(Beifall.)

Meine  Herren,  unsere  eigene  Geschichte  mahnt  uns  zur  Vorsicht  auf
dem  Gebiete  auch  der  ehrlichsten  Maklertätigkeit.  Wem  von  uns  schwebte
nicht  als  großartiges  Beispiel  der  Berliner  Kongreß  vor?  Diese  weltgeschichtliche
  Handlung  wurde  geführt  durch  den  größten  Staatsmann
des  vergangenen  Jahrhunderts.  Sein  leitender  Gedanke  dabei  war,  zu
verhüten,  daß  zwischen  den  europäischen  Mächten  ein  Krieg  ausbreche,
in  den  Deutschland  hineingezogen  werden  konnte.  So  machte  der  gewaltige
Fürst  sich  an  die  Arbeit,  den  Frieden  zu  erhalten.  Und  er  erhielt  ihn  auch.
Aber  in  mancher  Hinsicht  trugen  wir  die  Kosten  des  Verfahrens.

(Sehr  richtig!  rechts.)

Der  Zank,  der  Arger,  der  Haß  der  Streitenden  richtete  sich  nach  dem  Kongresse
  weniger  gegen  den  bisherigen  Geguer  als  gegen  uns.  Die  Scherben
aller  enttäuschten  Hoffnungen  wurden  gegen  uns  geschleudert.  Ich  habe
als  junger  Mensch  an  dem  Kongresse  teilgenommen.  Ich  stand  durch
meinen  Vater  und  seine  amtlichen  und  freundschaftlichen  Beziehungen
zum  Fürsten  Bismarck  den  Ereignissen  nahe.  So  erfuhr  ich,  daß  Deutschland,
  das  den  Frieden  für  andere  erhalten  hatte,  selbst  bald  nach  dem  Koungresse
  in  Kriegsgefahr  schwebte.  Mit  dieser  Erfahrung  vor  Augen  haben
wir  uns  die  Linien  für  unsere  jetzige  Orientpolitik  vorgezeichnet.  Wir
wahren  unsere  eigenen  Interessen  und  stehen  treu  zu  Osterreich-Ungarn.
Das  ist  —  um  dies  auch  in  diesem  Zusammenhang  nochmals  zu  betonen
—  identisch.  Indem  wir  fest  zu  Osterreich-Ungarn  stehen,  sichern  wir  am
besten  unsere  Juteressen.  Und  damit,  meine  Herren,  tragen  wir  auch  am
meisten  bei  zur  Erhaltung  des  Friedens,  des  europäischen  Friedens,  dessen
Wahrung  aufrichtig  gewünscht  wird  von  diesem  hohen  Hause  und  vom
deutschen  Volke!
(Lebhaftes  vielfaches  Bravo.)