März  1909.  197

Meine  Herren,  mit  Phantasien,  mit  Idiosynkrasien  ohne  jedes  historische
Verständnis
(sehr  gut!  und  Heiterkeit),

mit  dem  revolutionären  Drang  eines  Allerweltsverbesserers  läßt  sich  keine
praktische  und  nationale  auswärtige  Politik  treiben.

(Bravo!  rechts  und  links.)

Da  nur  eine  solche  für  mich  in  Frage  kommen  kamn,  so  lehne  ich  es  ab,
über  die  Frage  der  Flottenverständigung  etwas  anderes  zu  sagen,  als
was  ich  soeben  im  Eingange  meiner  Ausführungen  erklärt  habe.

(Sehr  gutl!)

Meine  Herren,  ich  will  nur  noch  eins  hinzufügen.  Der  Herr  Abgeordnete
  Ledebour  behauptet,  daß  nicht  die  Monarchen,  nicht  die  Minister,
sondern  die  Sozialdemokraten,  und  speziell  die  serbischen  und  russischen
Revolutionäre,  den  Krieg  verhindert  hätten.

(Sehr  wahr!  bei  den  Sozialdemokraten.  —  Gelächter  rechts.)

Die  Angriffe,  meine  Herren,  die  er  bei  dieser  Gelegenheit  gegen  die  russische
  Regierung,  gegen  die  amtliche  russische  Politik  und  insbesondere  gegen
Seine  Majestät  den  Kaiser  Nikolaus  gerichtet  hat,  weise  ich  zurück.  Die
Auffassung  aber,  als  ob  der  Weltfriede  gefährdet  werde  durch  die  Souveräue
und  durch  die  Minister,  durch  den  Ehrgeiz  der  Monarchen  und  durch  die
Ränke  der  Minister,  entspricht  nicht  der  heutigen  Sachlage,  sondern  sie  steht
im  Gegensatz  zu  den  wirklichen  tatsächlichen  Verhältnissen.  Die  meisten
Konflikte,  die  die  Welt  im  Laufe  der  letzten  Jahrzehnte  gesehen  hat,  sind
nicht  hervorgerufen  worden  durch  fürstliche  Ambitionen  oder  durch  ministerielle
  Umtriebe,  sondern  durch  leidenschaftliche  Regungen  der  öffentlichen
Meinung,  die  durch  Presse  und  Parlament  die  Erekutive  mit  sich  fortriß.

(Sehr  gut!  sehr  richtig!  rechts  und  links.)

Und,  meine  Herren,  wenn  es  wieder,  was  Gott  verhüte,  zu  Kriegen
kommen  sollte,  so  würden  sie  auch  hervorgerufen  werden  durch  jene  acherontischen
  Gewalten,  die  Weltkriege  heute  manchmal  noch  leichtsinniger
entzünden  könnten,  als  früher  jemals  ein  ruhmliebender  Herrscher  oder
irgend  ein  ambitioser  Staatsmann.  Ein  hervorragender  englischer  Staatsmann,
  Lord  Salisbury,  hat  schon  vor  Jahren  gesagt,  daß  der  Völkerfriede
heutzutage  mehr  von  der  wachsenden  Macht  zanksüchtiger  und  leicht  erregbarer
  Demokratien  als  von  ehrgeizigen  Fürsten  und  Abenteuer  liebenden
Staatsmännern  gefährdet  werde.  Die  Monarchen  sind  heute  alle  fried-