202  22.  Der  Kaiser.  —  Kamarilla.

übertriebenen  Kritiken  und  ungerechten  Angriffen  bewiesen,  daß  er  nicht
klein  denkt.  Seien  wir  auch  nicht  klein  in  seiner  Beurteilung.  Darauf
hat  er  sich  ein  Recht  durch  seine  zwanzigjährige  Arbeit  um  das  Wohl  des
Reichs  erworben.

(Lebhaftes  Bravo.)

Wenn  ich  einmal  gesagt  habe,  Seine  Majestät  der  Kaiser  sei  kein  Philister,
so  habe  ich  damit  negativ  feststellen  wollen,  daß  er  in  seltenem  Maße  eine
Eigenschaft  besitzt,  die  ich  bei  einem  Manne  sehr  hoch  stelle:  die  Großherzigkeit.
  An  dieser  Großherzigkeit  —  megalopsychia  nannten  es  die
Griechen  —  können  wir  uns  alle  ein  Beispiel  nehmen!

(Sehr  richtigl!)
Das  Land  hat  genug  von  diesen  Erörterungen  über  die  Allerhöchste  Person!
(Sehr  wahr!  rechts  und  links.  —  Unruhe  bei  den  Sozialdemokraten.)

Machen  wir  damit  ein  Ende  und  kehren  wir  zurück  zu  der  alten  und  bewährten
  Uberlieferung,  die  Person  Seiner  Majestät  des  Kaisers  nicht  in
die  Debatte  zu  ziehen!

(Bravol)

Der  Herr  Abgeordnete  Dr  David  hat  weiter  gemeint,  ich  führte  einen
Rampf  um  mein  Amt.  Davon  ist,  soweit  die  Allerhöchste  Person  und
der  Hof  in  Frage  kommen,  nicht  die  Rede.  Der  Herr  Abgeordnete  Dr  David
äußert  bei  dieser  Gelegenheit  —  vielleicht  war  dabei  der  Wunsch  der  Vater
des  Gedankens  —,  er  sehe  mich  wohl  zum  letzten  Mal  auf  dieser  Bank.
Meine  Herren,  ich  bleibe  so  lange,  als  mir  das  Vertrauen  Seiner  Majestät
des  Kaisers  zur  Seite  steht

(lebhaftes  Bravo)
und  als  es  mit  meinem  Gewissen  verträglich  ist!
(Erneutes  Bravo.)

Wenn  eine  dieser  beiden  Voraussetzungen  hinfällig  werden  sollte,  so  werde
ich  keinen  Augenblick  länger  bleiben.  Darüber  können  sich  auch  die  Herren
auf  der  äußersten  Linken  beruhigen.  Parlamentarische  Hindernisse  können
mir  meine  Aufgabe  erschweren;  sie  entbinden  mich  aber  nicht  von  der
Pflicht,  so  lange  mein  schweres  Amt  zu  verwalten,  als  dies  der  Wille  des
Kaisers  ist,  und  als  ich  glaube,  damit  dem  Interesse  des  Landes  zu  dienen.

(Bravol)

Damit  ist  für  mich  die  Erörterung  über  dieses  Thema  abgeschlossen.