März  1909.  207

Im  übrigen  empfehle  ich  dem  Herrn  Abgeordneten  Dr  David:  lesen  Sie
Goethe!
(Heiterkeit.  —  Zuruf  von  den  Sozialdemokraten.)

—  Ich  kann  nicht  auf  jeden  Zwischenruf  antworten,  den  ich  entweder
nicht  verstehe,  oder  der  mir  ganz  salzlos  zu  sein  scheint.

(Bravo!)

Bringen  Sie  Ihre  Bemerkungen  nachher  vor,  nicht  während  meiner  Rede:
ich  pflege  Sie  auch  nicht  zu  unterbrechen.

(Glocke  des  Präsidenten.)

Präsident:  Meine  Herren,  ich  bitte,  den  Herrn  Redner  nicht
zu  unterbrechen.

Reichskanzler  Fürst  von  Bülow:  Nun,  meine  Herren,  wende  ich
mich  zu  der  Frage,  die  heute  im  Vordergrunde  der  Debatte  steht,  zur
Finanzreform,  und  namentlich  zu  einem  sehr  wichtigen  Teile  dieser  Finanzreform,
  nämlich  zur  Besitzsteuer.

Da  hat  sich  nun  der  Herr  Abgeordnete  David  mit  vielem  Behagen
über  die  Gegensätze  verbreitet,  die  auf  dem  Gebiete  der  Besitzsteuer  zwischen
der  Rechten  und  den  Agrariern  und  mir  bestehen  sollen.  Ich  habe  gestern
gesagt,  daß  die  äußerste  Linke  einige  diplomatische  Talente  unter  sich  zähle.
Vielleicht  hat  der  Herr  Abgeordnete  David,  der  ja  auch  meiner  bescheidenen
diplomatischen  Befähigung  einige  Anerkennung  zollte,  mir  beweisen  wollen,
daß  er  auch  diplomatische  Kapazitäten  besitzt

(Heiterkeit)

und  bei  dem  Mangel  an  Talenten,  der  angeblich  in  unserer  Diplomatie
herrschen  soll,  bei  Vakanzen  in  Frage  kommen  könnte.  Ich  kann  ihm  aber
nicht  verhehlen,  daß  die  Art  der  Diplomatie,  die  er  in  diesem  Falle  treibt,
doch  mehr  eine  Diplomatie  des  ancien  régime  ist,  eine  Diplomatie,  wie
sie  üblich  war  in  der  Zeit  der  Kabinettspolitik.  Er  treibt  die  Politik  der
Schadenfreude,  die  ich  gestern  verurteilt  habe,  die  Politik  des  tertius  gaudens.
Darauf  falle  ich  nicht  herein,  und  ich  denke,  daß  die  Agrarier  und  die  Konservativen
  auch  nicht  darauf  hineinfallen  werden.

(Heiterkeit.)

Nun,  meine  Herren,  moöchte  ich  über  die  Frage  der  Besitzsteuer  das
Folgende  sagen.  Es  ist  mir  vorgeworfen  worden,  und  es  wird  davon
gesprochen,  daß  ich  in  dieser  Frage  —  ich  weiß  wirklich  nicht:  war  es  der