208  22.  Besitzsteuer  und  Finanzreform.

Abgeordnete  David,  oder  war  es  der  Abgeordnete  Haußmann,  der  das
gesagt  hat?  —
(große  Heiterkeit)

aber  aus  einer  der  beiden  Reden  glaubte  ich  herauszuhören,  in  der  Frage
der  Besitzsteuer  wäre  ich  umgefallen.  Meine  Herren,  mit  dem  Worte
„umfallen“  sollten  wir  doch  sehr  vorsichtig  sein!

(Heiterkeit.)

Ich  entsinne  mich  —  ich  habe  in  einem  freundschaftlichen  Gespräch  vor
einigen  Tagen  den  Herrn  Abgeordneten  Müller  (Meiningen)  daran  erinnert
—  und  ich  sage  es  selbstverständlich  ohne  jede  Ranküne  —  ich  entsinne  mich,
vor  sechs  oder  sieben  Jahren  hielt  der  Herr  Abgeordnete  Müller  (Meiningen)
eine  sehr  schöne  Rede;  da  sprach  er  von  dem  Umfall  des  Reichskanzlers
in  der  Frage  des  Gerstenzolles.  Und  da  erlaubte  ich  mir  vor  ein  paar  Tagen,
zu  dem  Herrn  Abgeordneten  Müller  (Meiningen)  zu  sagen:  „Herr-Müller
(Meiningen)“,  —  sagte  ich  zu  ihm  —  „wenn  wir  nun  zusammen  die  Linden
heruntergehen,  da  begegnen  wir  zwischen  dem  Brandenburger  Tor  und
dem  Schlosse  Hunderten  von  Leuten.  Aber  ich  biete  Ihnen  die  höchste  Wette
an,  daß,  wenn  wir  diesen  Leuten  sagen:  da  ist  der  Reichskanzler,  der  vor
sechs  oder  sieben  Jahren  umgefallen  ist,  —  so  weiß  kein  einziger,  wo  ich
damals  umgefallen  sein  soll.

(Große  Heiterkeit.)

Da  gibt  es  wahrscheinlich  nicht  sehr  viele,  die  sich  überhaupt  erinnern  an
die  verwickelte  Frage  der  Differenzierung  des  Gerstenzolls

(Heiterkeit),

und  einige,  die  vielleicht  nicht  einmal  den  Unterschied  kennen  zwischen
Malzgerste  und  Futtergerste."“
(Heiterkeit.)

In  solchen  Dingen  übertreibt  man  gar  so  sehr  unter  dem  Einfluß  der
augenblicklichen  Situation  und  wechselnder  parlamentarischer  Stimmungen.
Mit  diesem  viel  mißbrauchten  Worte  „Umfall“  sollten  wir  sehr  vorsichtig
sein.  In  diesem  Falle  trifft  das  Wort  jedenfalls  nicht  zu.  Ich  denke  gar
nicht  daran,  mich  in  dieser  Frage  aus  einem  Paulus  wieder  in  einen  Saulus
zurückzuverwandeln.

Meine  Herren,  es  wird  immer  wieder  gesagt:  die  indirekten  Steuern
gebühren  dem  Reiche,  die  direkten  den  Einzelstaaten.  Es  wird  sogar  den
verbündeten  Regierungen  der  Vorwurf  gemacht,  daß  sie  nicht  den  Mut