März  1909.  209

hätten,  so  viel  an  direkten  Steuern  zu  verlangen,  als  in  anderen  Ländern
getragen  würden.
(Sehr  richtig!  bei  der  Wirtschaftlichen  Vereinigung.)

—  In  der  Theorie,  meine  Herren  —  das  erwidere  ich  auf  den  Zuruf  „Sehr
richtig!“  von  der  rechten  Seite  —  ist  es  natürlich  sehr  wohl  möglich,  die
ganze  Finanzreform  im  Reich  nur  auf  indirekte  Steuern  zu  basieren,  ohne
daß  man  über  das  hinausgeht,  was  in  anderen  Ländern,  in  Frankreich,
in  England,  auch  in  Italien,  aus  Bier,  aus  Tabak,  aus  Branntwein  für
die  Staatseinnahmen  gezogen  wird.

(Sehr  gut!  rechts.)

lber  die  Gerechtigkeit  einer  solchen  Steuerpolitik  kann  man  ja  sehr  verschiedener
  Ansicht  sein.
(Sehr  richtig!  rechts  und  links.)

Wie  aber  die  Verhältnisse  bei  uns  tatsächlich  liegen,  ist  dieser  Weg  nach
meiner  Uberzeugung  für  eine  pflichtbewußte  Regierung  politisch  nicht  möglich.
(Sehr  richtig!  rechts  und  links.)

Meine  Herren,  die  Regierung  soll  weiter  sehen  als  die  Parteien.  Eine
solche  Politif  in  dem  Augenblick,  wo  wir  ½  Milliarde  an  neuen  Steuern
erheben,  eine  Politik,  wo  alles  auf  die  indirekten  Steuern  gelegt  werden

würde,  würde  im  Lande  nicht  verstanden  werden.
(Sehr  richtig!  bei  den  Nationalliberalen  und  links.)
Sie  würde  der  Sozialdemokratic  einen  sehr  wirksamen  Agitationsstoff
zuführen
(sehr  richtig!  links),
und  wenn  ich  eine  solche  Politik  einschlüge,  dann  würde  ich  ein  Schrittmacher
  der  Sozialdemokratie  sein.
(Sehr  richtig!  rechts  und  links.)
Eine  solche  Politik  würde  Verwirrung  und  Unsicherheit  in  das  Land  tragen
und  Widerspruch  in  die  weitesten  Kreise.  Deshalb  bleiben  die  verbündeten
Regierungen  bei  der  Uberzeugung,  daß  bei  einem  Gesamtbedarf  von  einer
halben  Milliarde  ein  erheblicher  Teil  von  dem  Besitz  genommen  werden  muß.
(Sehr  gut!  bei  den  Nationalliberalen.)

In  welcher  Form  das  zu  geschehen  hat,  darüber  streiten  wir  uns  nun  schon
seit  Monaten,  ohne  weiterzukommen.
Hötzsch,  Fürst  Bülows  Reden  2c.  III.  11