212  22.  Besitzstener  und  Finanzreform.

Meine  Herren,  und  nun  nöchte  ich  mir  noch  ein  kurzes  Wort  erlauben
über  die  Reichsfinanzreform  selbst.  Überall  im  Lande  macht  sich  —  darüber
können  wir  uns  keinen  Zweifeln  hingeben  —  in  täglich  zunehmendem  Maße
die  Sorge  geltend  um  das  Zustandekommen  der  Reichsfinanzreform.

(Sehr  richtig!)

Ihre  Kommission,  meine  Herren,  ist  nun  bereits  mehr  als  drei  Monate
am  Werke,  und  noch  liegt  kein  entscheidendes  Ergebnis  vor.  Und  doch
verträgt  die  Sache  keinen  Aufschub.  Die  in  Frage  stehenden  Interessen
des  Reichs  und  der  Einzelstaaten  sind  zu  wichtig,  als  daß  die  Entscheidung
hinausgezögert  werden  könnte.

(Sehr  richtig!  links.)
Wenn  wir  selber  meine  Herren,  in  dieser  Beziehung  irgend  welchen  Zweifel
hätten,  so  würden  sie  uns  genommen  werden  müssen  durch  die  Stimmen
der  Ungeduld  und  der  Unzufriedenheit,  die  aus  dem  Lande  täglich  an
unser  Ohr  schlagen.

(Sehr  richtig!  links.)

Das  Land  empfindet  es  als  eine  nationale  Kalamität,  daß  die  Entscheidung
über  die  Finanzreform  so  lange  hinausgezögert  wird.  Das  Land  würde
es  als  ein  nationales  Unglück  auffassen,  wenn  dieses  hohe  Haus  sich  außerstande
  zeigte,  die  Reichsfinanzreform  zu  lösen.

(Sehr  richtig!  links.)

Als  übereinstimmende  llberzeugung  der  verbündeten  Regierungen  muß
ich  es  vor  Ihnen  und  dem  Lande  aussprechen:  wir  verlangen  von  diesem
hohen  Hause  eine  feste  und  unzweideutige  und  endgültige  Entscheidung
über  die  Reichsfinanzreform  und  noch  in  dieser  Session.

(Bravol)

Ich  muß  es  auch  offen  aussprechen,  daß  die  Schuld  an  den  gegenwärtigen
unbefriedigenden  Verhältnissen  mehr  oder  weniger  alle  Parteien  trifft.

Meine  Herren,  der  Herr  Abgeordnete  Wiemer  hat  soeben  ausgeführt,
daß  seine  Partei  in  dieser  Beziehung  tadellos  dastünde.  Ja,  meine  Herren,
wenn  man  die  Parteien  hört,  so  steht  selbstverständlich  jede  Partei  da  weiß
und  fleckenlos  wie  ein  Lämucchen,  keiner  Partei  wäre  der  mindeste  Vorwurf
  zu  machen.  In  Wirklichkeit  sind  Sie  allzumal  Sünder  —

(große  Heiterkeit,  —  Zuruf  von  den  Sozialdemokraten:  Und  die  Regierung?)

—  die  Regierung  hat  auch  Fehler  begangen,  aber  lange  nicht  so  viel  wie