216  23.  Stellung  des  Zentrums  und  der  Liberalen.

lich“  —  sagte  er  zu  ihm  —  „begreife  ich,  daß  Sie  nicht  Lust  haben,  in  die
Drecklinie  einzurücken!“
(Heiterkeit.)

Das  war  vor  30  Jahren.  Seitdem  ist  es  schwerlich  besser  geworden.

Also  daß  meine  Gegner  zum  Teil  mit  recht  unschönen  Waffen  gegen
mich  kämpfen,  das,  meine  Herren,  beeindruckt  mich  nicht.  Eine  solche
Kampfesweise  richtet  sich  selbst.  Ich  habe  mich  auch  nicht  dadurch  irremachen
  lassen,  daß  die  stärkste  Partei  dieses  Hauses  die  gesellschaftlichen
Beziehungen  zu  mir  abgebrochen  hat.

(Bewegung.)

Vielleicht  trägt  mein  langer  Aufenthalt  im  Auslande  dazu  bei,  daß  ich
mich  überhaupt  nicht  in  eine  Denkweise  hineinzusetzen  vermag,  die  die
sozialen  Beziehungen  ausschließt,  weil  man  politisch  aneinandergeraten
ist  oder  politisch  verschieden  denkt.  Ich  hoffe,  es  zu  erleben,  daß  sich  bei
uns  in  dieser  Beziehung  der  Takt  bessern  wird,  daß  man  auch  bei  uns  dahin
kommen  wird,  wo  andere  Völker  schon  lange  sind.

(Bewegung.)

Namentlich  in  England  denkt  man  nicht  so  fleinlich,  politische  Gegensätze
auf  das  persönliche  Gebiet  zu  übertragen.  Ich  hoffe,  wir  werden  auch
dahin  kommen,  daß  man  den  andern,  weil  er  in  einer  politischen  oder  in
einer  wirtschaftlichen  oder  sozialen  Frage  anders  denkt  als  man  selbst,
deshalb  nicht  gleich  für  einen  Narren  oder  für  einen  Schurken  hält.

(Hört!  hört!  und  Bewegung.  —  Zurufe  von  den  Sozialdemokraten.)

Das  wird  dann  ein  schöner  Fortschritt  sein  auf  dem  Wege  der  Befreiung
von  geistiger  Gebundenheit,  der  Abstreifung  von  Philisternetzen.  Aber
vorläufig  sind  wir  noch  nicht  so  weit.

Also  die  Haltung  eines  Teils  der  Zentrumspartei  mir  gegenüber  ändert
nichts  daran,  daß  es  mir  niemals  eingefallen  ist,  diese  Partei  zu  boykottieren.


Ich  werde  mich  aber  auch  nicht  bewegen  lassen,  die  Geschäfte  so  zu
führen,  daß  die  Liberalen  von  der  Mitwirkung  ausgeschlossen  werden.
Ich  habe  nie  daran  gedacht  und  denke  auch  heute  nicht  daran,  mir  das
liberale  Programm  anzueignen;  aber  die  Mitwirkung  der  Liberalen  bei
großen  gesetzgeberischen  Aufgaben  erscheint  mir  im  Interesse  unserer