224  23.  Die  Blockpolitik.

der  Weg  geebnet  werden,  den  zu  begünstigen  weder  Sie  noch  ich  vor  der
Nachwelt  verantworten  können.
(Sehr  richtig!  links.)

Man  hat,  meine  Herren,  den  Gedanken  einer  Annäherung  zwischen
Konservativen  und  Liberalen,  des  Zusammenarbeitens  von  Konservativen
und  Liberalen  als  einen  Einfall  zu  taktischen  Zwecken,  zur  Erlangung
einer  vorübergehenden  parlamentarischen  Konstellation  hingestellt.  Gestern
erst  habe  ich  einen  in  diesem  Sinne  gehaltenen  Artikel  gelesen.  Ich  glaube,
meine  Herren,  daß  die  Geschichte  in  diesem  Gedanken  mehr  sehen  wird.
Je  weiter  Sie  sich  von  einem  Gebirge  entfernen,  um  so  deutlicher  wird
sich  der  Grundstock  vor  Ihren  Augen  abzeichnen.  So  wird  eine  fernere
Perspektive  in  der  sogenannten  Blockpolitik  das  Wesentliche  erkennen.

Die  Regierung  hat  durch  eine  konservativ-liberale  Parteikombination
nicht  nur  die  Liberalen  zu  politischer  Mitarbeit,  zur  Anerkennung  staatlicher
  Notwendigkeiten,  sondern  auch  die  Konservativen  zu  gesunder  Fortentwicklung
  führen  wollen.  Sie  hat  dadurch  Gegensätzen  und  Kämpfen
vorbeugen  wollen,  die  das  politische  Leben  des  zukünftigen  Deutschlands
schwer  erschüttern  können.  Daß  das  ein  staatsmännischer  Gedanke  war,
wird  die  Zukunft  zeigen  und  wird  auch  die  Geschichte  anerkennen,  gleichviel,
  ob  der  Vertreter  dieses  Gedankens  früher  oder  später  von  seinem
Platz  abtreten  wird.

(Sehr  richtig!)

Meine  Herren,  in  der  Sache  selbst,  die  heute  hier  zur  Verhandlung
steht,  will  ich  den  Herren  Ressortchefs  und  den  übrigen  berufenen  Sachverständigen,
  insbesondere  auch  dem  Herrn  Präsidenten  der  Reichsbank
das  Wort  überlassen.  Als  Folgerung  meiner  bisherigen  Ausführungen
und  in  Konsequenz  der  Auffassung,  die  ich  bei  allen  Verhandlungen  über
die  Reichsfinanzreform  von  Anfang  an  festgehalten  habe,  will  ich  nur
noch  das  Nachfolgende  sagen.

In  Ulbereinstimmung  mit  den  verbündeten  Regierungen  betrachte
ich  es  nach  wie  vor  als  ein  nobile  oflicium,  als  eine  Pflicht  ausgleichender
Gerechtigkeit,  als  eine  sozialpolitische  Notwendigkeit,  daß  die  der  Gesamtheit
aufzuerlegenden  neuen  Steuern  zu  einem  erheblichen  Teile  von  den
Besitzenden  getragen  werden.  Es  geht  nicht  an,  500  Millionen  neue
Steuern  nur  auf  Verbrauchsabgaben  oder  andere  indirekte  Steuern  zu
legen,  die  die  Mittelklassen  und  die  Wenigerbemittelten  verhältnismäßig
härter  treffen  als  die  Begüterten.  Es  wäre  auch  falsch  und  ungerechtfertigt,
  nur  einzelne  Arten  des  Besitzes  zu  belasten  und  andere  freizulassen.