Juni  1909.  225

Weil  sie  alle  Arten  des  Besitzes  gleichmäßig  trifft,  weil  sie  eine  Abstufung
nach  der  Leistungsfähigkeit  ermöglicht,  weil  sie  den  Anforderungen  sozialer
Gerechtigkeit  eutspricht,  deshalb,  und  nicht  aus  Eigensinn  oder  Nechthaberei
  halte  ich  an  der  Erbschaftssteuer  fest  und  widerstrebe  den  Versuchen,
  nur  einzelne  Teile  des  Einkommens  oder  Vermögens  einer  Sonderbesteuerung
  zu  unterwerfen.

Ich  lehne  es  ab,  im  Bundesrate  Stenern  zu  vertreten,  die  Handel  und
Verkehr  schwer  schädigen,  die  Industrie  unerträglich  belasten,  unsere  gesamtwirtschaftliche
  Stellung  verschlechtern.

(Bravo!  links.)

Die  Finanzreform  —  das  ist  die  wohlbegründete  Ansicht  aller  verbündeten
Regierungen,  die  in  voller  Einmütigkeit  zusammenstehen  —  kann  nur
zustande  kommen,  wenn  die  Beschlüsse  diesos  Hauses  sachlich  vertretbar
sind  und  nach  sachverständiger  Schätzung  die  unbedingt  notwendige  Summe
in  ihrem  vollen  Betrage  ergeben.

Trotz  der  Schwierigkeit  der  politischen  Situation  und  trotz  der  bedauerlichen
  Spannung  zwischen  den  bürgerlichen  Parteien  dieses  hohen  Hauses
halte  ich  noch  an  der  Hoffunng  fest,  daß  im  Reichstage
  Gemeinsinn,  nationales  und  soziales  Empfinden
  den  Sieg  davontragen  werden  über  Kleinlichkeit
  und  Parteigczänk.  In  dieser  Hoffnung  werde  ich
bestärkt  durch  die  Stimmung  im  Lande,  wie  sie  in  Außerungen  aller  Art
in  die  Offentlichkeit  dringt.  Diese  Stimmung  ist  frei  von  Engherzigkeit:
das  Land  würdigt  die  Größe  der  nationalen  Aufgabe,  vor  der  wir  stehen

(sehr  richtig!  links);
das  Land  wird  früher  oder  später  streng  mit  den  Parteien  ins  Gericht
gehen,  die  das  große  Werk  der  Finanzreform  schädigen  oder  gefährden

sollten.
(Sehr  wahr!)

Und  nun,  meine  Herren,  noch  ein  persönliches  Wort!  Seit  Wochen

regen  sich  die  Zeitungen  darüber  auf,  ob  ich  bleibe  oder  gehe.
(Heiterkeit.)

Das  hängt  nicht  von  den  Zeitungen  ab.  Das  hängt  nicht  von  den  Parteien

ab.  Das  hängt  auch  nicht  ab  von  den  Wünschen  meiner  Gegner.  Ich  bleibe,

solange  Seine  Majestät  der  Kaiser  glaubt,  daß  meine  Mitarbeit  in  der

auswärtigen  und  in  der  inneren  Politik  für  das  Reich  nützlich  ist,  und  solange
Hötzsch,  Fürst  Bülows  Reden  2c.  III.  15