I.  An  den  Rektor  des  Katholisch-dentschen  Hospizes  in  Jerusalem,
P.  Schmidt.

Berlin,  den  5.  Januar  1907.
Hochwürdigster  Pater!

Euer  Hochwürden  waren  so  freundlich,  mich  auch  diesmal  wieder
durch  Ihre  Glückwünsche  zum  Jahreswechsel  zu  erfreuen.  Indem  ich
Ihnen  hierfür  meinen  herzlichen  Dank  sage,  hoffe  ich,  daß  Ihnen  noch
viele  Jahre  Gesundheit  und  Kraft  zu  weiterer,  segensreicher  Wirksamkeit
beschieden  sein  mögen.

Es  hat  mich  interessiert,  aus  Ihrem  Brief  zu  entnehmen,  mit  wie
regem  Interesse  Sie  die  Vorgänge  in  Deutschland  verfolgen.  Daher
werden  Sie  jedenfalls,  schon  ehe  noch  diese  Zeilen  in  Ihre  Hände  gelangen,
aus  meinem,  am  Sylvestertage  an  Herru  Generalleutnant  von  Liebert  1)
gerichteten,  inzwischen  veröffentlichten  Schreiben  bereits  ersehen  haben,
daß  die  Auflösung  des  Reichstages  deshalb  unvermeidlich  war,  weil  die
Zentrumsfraktion  in  einer  eminent  nationalen  Frage,  wo  Deutschlands
Ehre  engagiert  ist  und  es  sich  um  Sicherung  der  Erfolge  unserer  heldenmütigen
  deutschen  Afrikakämpfer  handelt,  den  verbündeten  Regierungen
in  der  Verwendung  unserer  Kampfmittel  Schranken  auferlegen  wollte,
denen  jene  nach  ihrem  pflichtmäßigen  und  sachkundigen  Ermessen  sich  nicht
unterwerfen  konnten.  Es  liegt  mir  daran,  besonders  auch  Euer  Hochwürden
und  Ihren  Brüdern  am  christlichen  Werke  gegenüber  klar  auszusprechen,
daß  dieser,  mir  aufgenötigte,  Kampf  sich  gegen  den  Mißbrauch  richtet,
welchen  das  Zentrum  im  Reichstag  auf  Kosten  nationaler  Interessen  und
zum  Schaden  des  nationalen  Ansehens  mit  seiner  ausschlaggebenden
parlamentarischen  Stellung  getrieben  hat,  aber  keineswegs  gegen  die
deutschen  Katholiken,  die  katholische  Geistlichkeit  oder  gar  die  katholische
Kirche.