234  II.  Zur  Reichstagswahl.

politische  Betätigung  im  Innern.  Zu  ihrer  Entwicklung  brauchen  wir  die
Paarung  konservativen  Geistes  mit  liberalem  Geiste,  und  es  ist  hoffentlich
nicht  zu  optimistisch,  wenn  ich  es  als  einen  gewissen  Wendepunkt  in  unserem
Parteileben  betrachte,  daß  am  13.  Dezember  im  Reichstage  konservative
und  liberale  Parteien  mit  den  verbündeten  Regierungen  zusammen  gingen.

(Sehr  richtig!)

Ich  möchte,  daß  diese  Verständigung  vorbildlich  wirkte  für  die  Behandlung
anderer  großer  nationaler  Fragen,  und  daß  so  von  dem  überseeischen
Besitz  ein  günstiger  Einfluß  ausginge  zur  Mäßigung  der  Parteigegensätze,
namentlich  gegenüber  dem  Auslande.

(Bravo!)

In  Aufrufen  und  Artikeln  der  Zentrumspartei  heißt  es  jetzt,  ich  hätte
nach  einem  Vorwand  für  die  Auflösung  gesucht,  das  Zentrum  hätte  so  gut
wie  alles  bewilligt,  die  Auflösung  sei  unnötig  gewesen.  Nun,  meine  Herren,
hat  nicht  das  Zentrum  schon  im  Frühjahr  1906  —  ich  sehe  ganz  ab  von
der  Verweigerung  des  Reichskolonialamts  —  die  Forderung  des  Bahn—
baues  im  Kriegsgebiet  zu  Falle  gebracht?  Hat  nicht  dieser  Beschluß  dem
Reiche  viele  Millionen  gekostet?  Denn  die  hohen  Kriegskosten  sind  zu
mehr  als  einem  Drittel  durch  die  außerordentlichen  Schwierigkeiten  des
Transports  verursacht  worden.  Hat  nicht  das  Zentrum  vor  fünf  Wochen
gemeinsam  mit  der  Sozialdemokratie  die  Regierung  zwingen  wollen,  die
Truppenstärke  auf  dem  Kriegsschauplatz  vor  völliger  Einstellung  der
Operationen  von  einem  bestimmten  Termin  ab  auf  2500  Mann  herunter—
zusetzen?  In  der  Frage,  wie  viele  Truppen  zur  Niederwerfung  des  Auf—
standes  und  der  Pazifizierung  der  Kolonie  nötig  wären,  konnte  ich  mich
mur  nach  dem  Urteile  der  Truppenführer  und  des  Generalstabes  richten.

(Sehr  richtig!)

Gegenüber  dem  klaren  und  bestimmten  Verlangen  der  sachkundigen  und
verantwortlichen  Stellen  gab  es  für  mich,  gab  es  für  die  verbündeten
Regierungen  kein  Schwanken  und  keine  Zweifel.  Blieb  die  Mehrheit
auf  ihrem  Standpunkt  bestehen,  so  mußten  wir  an  das  Volk  appellieren.

Man  hat  ferner  den  Standpunkt  der  Mehrheit  damit  motivieren
wollen,  daß  dann  der  Reichstag  der  Truppenleitung  und  den  verbündeten
Regierungen  die  Verantwortlichkeit  mit  tragen  helfe,  und  daß  er,  wenn
nötig,  die  Truppenzahl  wieder  heraufsetzen  könne.  Ja,  meine  Herren,
das  heißt  eben  Hofkriegsrat  spielen.  Einem  solchen  Eingriff  in