242  II.  Zur  Reichstagswahl.  —  III.  Nach  der  Wahl.

Ich  danke  Ihnen,  meine  Herren,  daß  patriotische  Gesinnung  Sie
wiederum  hierhergeführt  hat.  Als  ich  am  13.  Dezember  einen  letzten
Appell  an  den  Reichstag  richtete,  schloß  ich  mit  den  Worten,  daß  die  Regierung
  ihre  Pflicht  tun  würde  im  Vertrauen  auf  das  deutsche  Volk.  Dieses
Vertrauen  hat  nicht  getäuscht.  Was  bei  den  Hauptwahlen  gesiegt  hat
und  heute  bei  den  Stichwahlen  weitere  schöne  Erfolge  errungen  hat,  das
ist  der  deutsche  Geist,

„Der  gekämpft  hat  allerwegen,
Der  noch  kämpft  zu  dieser  Frist,
Und  der  darum  nicht  erlegen,
Weil  er  ja  unsterblich  ist.“

Wenn  wir  diesem  deutschen  Geiste  treu  bleiben,  wenn  vor  allem  die
deutsche  Ingend  festhält  an  diesem  Geist  und  sich  mit  ihm  erfüllt,  dann
können  wir  ruhig  und  freudig  in  die  Zukunft  des  Vaterlandes  blicken.
Und  nun  stimmen  Sie  mit  mir  ein  in  den  Ruf  der  Liebe  und  der  Treue
bis  zum  Tod:  Unser  deutsches  Vaterland,  es  lebe  hoch!

d)  Unter  dem  7.  Februar  1907  richtete  der  Kanzler  an  das  Direktorium
des  Zentralverbandes  deutscher  Industrieller  folgendes
Schreiben:

Berlin,  den  7.  Februar  1907.

Das  verehrliche  Direktorium  bitte  ich  für  die  mir  im  Namen  des
Zentralverbandes  deutscher  Industrieller  zum  Ergebnis  der  Reichstagswahlen
  ausgesprochenen  freundlichen  Glückwünsche  und  das  zielbewußte
opferfreudige  Eintreten  für  die  nationale  Sache  im  Wahlkampfe  meinen
verbindlichen  Dank  entgegenzunehmen.  Ich  möchte  dabei  feststellen,  daß
der  vorläufig  mit  Erfolg  beendete  Kampf  sich  nicht  einzig  und  allein  gegen
die  Sozialdemokratie  richtete.  Das  nationale  Bürgertum  hat  vielmehr
durch  sein  Votum  gegen  die  Sozialdemokratie  auch  eine  parlamentarische
Taktik  verurteilt,  durch  deren  Anwendung  am  13.  Dezember  v.  J.  die
damalige  Minderheit  von  der  Zentrumspartei  unter  Beihilfe  der  Sozialdemokratie
  niedergestimmt  wurde.  Es  hieße  den  Geist  der  Nation  verkennen,
  wenn  man  über  dieses  charakteristische  Merkmal  der  jüngsten  Wahlen
hinwegsehen  wollte.  Die  Versicherung,  daß  der  Zentralverband  auch  in
der  Zukunft  im  Kampfe  gegen  die  Sozialdemokratie  zur  Regierung  stehen
werde,  habe  ich  gerne  entgegengenommen.

Dabei  vertraue  ich  auch  fernerhin  auf  die  ausgleichenden  Wirkungen
einer  gewissenhaften  und  besonnenen  Sozialpolitik.  Die  große  Bereitwilligkeit,
  mit  der  die  deutsche  Industrie  die  Lasten  dieser  Politik  getragen