März  1907.  251

Stich  gelassen  haben,  vor  allem  nicht  in  meinem  Kampfe  gegen  die  Sozial—
demokratie.
(Lebhaftes  Bravo.)

Mein  Verhältnis  zum  Bunde  der  Landwirte  war  ja  anfänglich  etwas
stürmisch.
(Große  Heiterkeit.)

So  geht  es  grade  in  guten  Ehen,  daß  man  sich  zunächst  kabbelt  und  zankt,
bis  man  sich  kennen  gelernt  und  aneinander  gewöhnt  und  ineinander  ge—
funden  hat.

(Heiterkeit.)

Dann  geht  es  um  so  besser.  Ich  halte  es  trotzdem  nicht  für  ausgeschlossen,
daß  auch  in  Zukunft  gelegentlich  Meinungsverschiedenheiten  zwischen  mir
und  dem  Bund  der  Landwirte  vorkommen  werden.

(Große  Heiterkeit.)

Denn  für  mich  als  Reichskanzler  kann  es  nur  eine  einzige
Richtschnur  geben,  das  wohlerwogene  Gesamtinteresse  des
Landes;  darum  kann  ich  mich  nie  einer  Partei,  einer
Richtung  ganz  zu  eigen  geben.  Und  der  Bund  der  Landwirte  ist
seinerseits  kein  offizielles  oder  offiziöses  Organ,  er  steht  auf  eigenen  Füßen.
Wohl  möglich,  daß  die  „Deutsche  Tages-Zeitung“,  deren  Haltung  ich  neulich
verdiente  Anerkennunggezollt  habe,  mal  wieder  mit  mirins  Gericht  gehen  wird.

(Heiterkeit.)

Ich  werde  aber  trotzdem  dem  Bund  der  Landwirte  stets  Gerechtigkeit
widerfahren  lassen  und  ich  hoffe,  daß  er  fortfahren  wird,  tapfer,  aber  auch
klug,  mit  Entschiedenheit,  aber  auch  mit  politischem  Geschick  unter  Anerkennung
  der  berechtigten  Forderungen  anderer  Erwerbsstände  für  die
Landwirtschaft  einzutreten.

(Lebhafter  Beifall.)

Die  Landwirtschaft  aber  möge  überzeugt  sein,  daß  ihre  wirtschaftliche,
sozialpolitische  und  politische  Bedeutung  von  den  verbündeten  Regierungen
verstanden  und  gewürdigt  wird.  Sie  wird  auch  an  derjenigen  Stelle  gewürdigt,
  deren  Ihr  verehrter  Vorsitzender  Graf  Schwerin  soeben  in  so
schönen  und  beredten  Worten  gedacht  hat.  Als  ich  vor  einigen  Jahren
die  Söhne  unseres  Kaisers  in  Plön  besuchte,  führten  sie  mich  nach  einer
Insel  im  Plöner  See,  wo  ihnen  ein  kleiner  landwirtschaftlicher  Betrieb
eingerichtet  worden  war.  Auf  dem  Häuschen,  das  in  diesem  Betriebe