Mai,  Juni  1907.  255

Seine  Majestät  der  Kaiser  und  König  beauftragen  mich,  Euerer
Exzellenz  für  die  patriotische  Begrüßung  des  neu  gegründeten  Verbandes
Allerhöchstseinen  Dank  zu  übermitteln.  Seine  Majestät  hoffen,  daß  der
Verband,  der  sich  gegen  eine  Vermischung  von  Religion  und  Politik  wendet,
in  seinen  eigenen  Reihen  diesem  Irrtum  keinen  Raum  geben  und  nicht
vergessen  wird,  daß  eine  Besserung  unserer  politischen  Verhältnisse  nur
auf  der  Basis  der  Parität  der  Konfessionen  möglich  ist.

Reichskanzler  Fürst  Bülow.

XIV.  Au  den  Hamburgischen  Verband  zur  Bekämpfung  der  Sozialdemokratie.


Auf  einer  Versammlung  des  „Hamburgischen  Verbandes  zur  Bekämpfung  der
Sozialdemokratie“  wurde  von  einem  Mitglied  nachstehendes  Schreiben  des  Reichskanzlers
verlesen  ):

Euer  Hochwohlgeboren  danke  ich  ergebenst  für  die  gefällige  Mitteilung
von  der  Begründung  des  Hamburgischen  Verbandes  zur  Bekämpfung
der  Sozialdemokratie.  Ich  stehe  allen  Bestrebungen  sympathisch  gegenüber,
  die  darauf  hinzielen,  in  der  deutschen  Bevölkerung  das  Gefühl  der
Liebe  zu  Kaiser  und  Reich  zu  erhalten,  ihr  Verständnis  für  die  wirtschaftlichen
  Grundlagen  unseres  Erwerbslebens  zu  fördern,  den  Frieden  zwischen
Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer  zu  wahren  und  antinationale  und  revolutionäre

  Bestrebungen  zu  bekämpfen.
(gez.)  Bülow.

XV.  Die  Wünsche  der  Oberlehrer?.

Am  29.  Juni  empfing  der  Reichskanzler  eine  Abordnung  der  alademisch
  gebildeten  Lehrer,  und  zwar  die  Gymnasialdirektorten  Mertens
(Brühl)  und  Londien  (Breslau)  und  den  Professor  Dr  Lortzing  (Berlin),  welche
die  Wünsche  der  Oberlehrer  hinsichtlich  ihrer  Gleichstellung  mit  den  Richtern  an  der
Hand  einer  vom  Professor  Dr  Lortzing  aufgestellten  Denkschrift  zum  Vortrog  brachten.
Die  Deputation  wurde  in  dem  Gartensaal  des  Reichskanzlerpalais  von  dem  Reichskanzler
  begrüßt,  indem  er  an  seine  eigene  Gymnasialzeit  in  Frankfurt  a.  M.,  Neustrelitz
  und  Halle  a.  S.  anknüpfte  und  hierbei  einzelner  von  ihm  hochgeschätzter  Lehrer

1)  „Nordd.  Allgem.  Zeitung“  28.  Juni  1907.
2)  „Vossische  Zeitung“  5.  Juli  1907.