Juli  1907.  259

ein  Sofa  und  eine  Chaiselongue  aus  rotem  Rips,  eine  Reisedecke,  ohne
Zweifel  der  Platz  für  die  Siesta,  ein  Stehpult  mit  grünem  Tuch,  das  auf
einem  niedrigen  Kasten  aus  geschnitzter  Eiche  steht.  Nichts  weiter.  Die
Fenster  links  ganz  offen  stehend,  sehen  auf  das  blaue  Meer  hinaus,  das
in  der  Ferne  murmelt.

Als  der  Fürst  zurückkam,  sagte  er  zu  mir:  „Sie  sehen,  Norderney  hat
nichts  von  einem  aristokratischen  Badeorte.  Es  ist  ein  bürgerliches  Bad.
Aber  es  gibt  in  Norderney  doch  zwei  Parteien.  Die  eine  meint,  man  müßte
hier  ein  großes  Kasino  bauen,  einen  Quai  und  luxuriöse  Hotels,  den  ganzen
kosmopolitischen  Luxus  der  großen  europäischen  Badeorte  hierher  ver—
pflanzen  und  eine  Art  Trouville  oder  Ostende  daraus  machen.  Ich  habe
Freunde  in  diesem  Kreise,  zu  dem  große  Geschäftsmänner  und  Bankiers
aus  Hamburg  und  Berlin  usw.  gehören.  Die  andere  Partei  findet,  daß
Norderney  sehr  hübsch  ist,  so,  wie  es  ist,  daß,  wenn  man  hier  Kasinos  erbaut,
es  nicht  mehr  der  ruhige  Ort  sein  wird,  in  dem  wir  uns  wohl  fühlen,  und
daß  in  zwei  Jahren  alle  Bewohner  der  Insel  Gepäckträger  und  Dienstboten
sein  werden.  Im  Interesse  meines  persönlichen  Wohlbefindens  neige  ich
zu  dieser  letzteren  Auffassung.  Sie  sehen,  es  ist  der  ewige  Streit  zwischen
dem  konservativen  Geist  und  dem  Fortschritt!“,  sagte  er  lachend.

„Ich  für  mein  Teil  glaube,  daß  alles  nichts  helfen  wird“,  antwortete
ich,  „und  daß  der  Fortschritt  siegreich  bleiben  wird“.

„Sie  haben  recht.  Der  Fortschritt  trägt  immer  den  Sieg  davon.“

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Die  Fürstin  Bülow  trat  ein.  Sie  ist  noch  jung,  sehr  dunkel,  schöne,
schwarzc,  lockige  Haarc  umrahmen  ihr  lächelndes  und  geistreiches  Gesicht.
Ich  weiß,  daß  die  Fürstin  Italienerin  ist,  aber  wenn  ich  es  nicht  wüßte,
so  würden  ihre  großen,  dunklen,  lebensvollen  Augen  es  mir  sofort  verraten.
Sie  spricht  französisch,  als  wäre  es  ihre  Muttersprache.

Wir  gingen  hinaus.  Die  Villa  Fresena  ist  das  Haus,  das  dem  Meere
zunächst  steht;  einige  Schritte,  und  man  ist  auf  dem  Strandwege,  der  wie
alle  Straßen  der  Insel  mit  Backsteinen  gepflastert  ist.  Zahlreiche  Spaziergänger
  begrüßten  auf  dem  Wege  den  Fürsten  und  die  Fürstin;  wer  saß,
erhob  sich  respektvoll  und  nahm  den  Hut  ab:  wer  ging,  hielt  an  und  verneigte
  sich  tief  vor  ihnen.  Man  hat  in  der  Villa  Fresena  eine  Schwärmerei
für  die  Hunde.  Ein  schwarzer  Pudel,  Mohr,  der  fast  auf  allen  Karikaturen
des  Kanzlers  figuriert,  sprang  vor  uns  her,  während  die  zwei  Dachse  der
Fürstin,  Erdmann,  ein  Geschenk  des  Kaisers,  und  Lump,  sehr  komisch
auf  ihren  kurzen  Beinen,  wie  Clowns,  auf  dem  feuchten  Sande  spielten.

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