Juli  1907.  267

lauds?  Ein  Europa,  das  beispielsweise  einig  einem  drohenden  Asien  entgegenträte?“


„Ich  glanbe  nicht  an  die  gelbe  Gefahr“,  autwortete  Fürst  Bülow.
„Die  Japaner  sind  zu  kluge  und  ernsthafte  Leute,  um  daran  zu  denken,
Europa  zu  bedrohen  “

„Einstweilen  scheinen  sie  sich  an  den  Amerikanern  versuchen  zu  wollen.
Wenn  sie,  nachdem  sie  die  Russen  geschlagen,  auch  noch  die  Amerikaner
schlügen,  so  wäre  das  ein  recht  gefährliches  Volk.  “

„Nein,  nein,“  protestierte  Herr  v.  Bülow,  „Sie  werden  sehen,  es
wird  nichts  dergleichen  geben.  Japan  ist  klug  und  der  japanische  Botschafter
in  Washington  hat  bereits  die  beruhigendsten  Erklärungen  abgegeben.“

„Aber  China,  dieses  China,  das  sich  waffnet  und  das  vielleicht  einmal
Millionen  Krieger  auf  Europa  werfen  kann.  .  .  .“

Herr  v.  Bülow  lächelte:  „Ich  sehe  sie  noch  nicht  in  Angoulmc,  und
nicht  in  Magdeburg.“"

„Aber  kann  eine  Situation,  wie  diejenige,  in  der  Europa  in  China
sich  befunden  hat,  alle  seine  Heere  da  vereint,  nicht  in  Zukunft  zu  einer
dauernden  gemacht  werden?  Könnte  man,  statt  eines  vorübergehenden
und  zufälligen  Zusammenarbeitens,  nicht  ein  normales  Zusammenwirken
herbeiführen,  das  die  zivilisiertere  Menschheit  der  weniger  zivilisierten
gegenüberstellte?"

„Ja,  gewiß,  es  ist  gestattet,  ein  solches  Ideal  zu  hegen,  und  man  sieht
da  den  Gipfel  eines  Berges,  der  sich  in  der  Ferne  vor  uns  erhebt  und  den
man  erklimmen  muß.  Aber  man  weiß,  daß  man  heute  nicht  mehr  hinauf
gelangen  wird,  und  diese  Gewißheit  ist  denjenigen  eigen,  die  klar  zu  sehen
pflegen.  Anderc,  deren  Sehkraft  schwach  ist,  machen  sich  deshalb  Illusionen
  und  glauben  den  Gipfel  ganz  nahe.  Man  kann  sich  alfo  sagen:  es
ist  vielleicht  für  morgen.  Einstweilen  wollen  wir  uns  nicht  die  Füße  verletzen,
  indem  wir  gehen,  ohne  auf  den  Weg  zu  achten  —  ja,  wir  wollen  lieber
den  Hindernissen  ausweichen,  die  unsere  Reise  aufhalten.  Und  wenn  diese
Gleichnisse  ihnen  nicht  gefallen,  so  können  wir  auch  sagen:  zuerst  müssen
wir  leben.  Dann  wollen  wir,  wie  Candide,  unseren  Garten  bebauen.“

Wir  waren  zum  Ausgangspunkt  unseres  Spazierganges  zurückgekehrt.
Ich  verließ  den  Fürsten  und  die  Fürstin  Bülow,  um  mich  zum  Diner  umzukleiden.


Um  8  Uhr  abends  war  ich  wieder  im  Salon  der  Villa  Fresena.  In
der  Gesellschaft  der  Fürstin  Bülow  befanden  sich  Herr  v.  Flotow,  dessen
ich  schon  gedacht  und  der  sich  nicht  darüber  trösten  kann,  daß  er  Paris
verlassen  mußte,  und  der  Ordonnanzoffizier  des  Fürsten,  Herr