Angust  1907.  273

ist  für  die  Königliche  Staatsregierung  eine  wirksame  Unterstützung  in  dem
von  ihr  pflichtmäßig  geführten  Kampf  für  die  Erhaltung  des  Deutschtums
in  der  Ostmark.  Möchte  der  Deutsche  Tag  in  Bromberg  alleuthalben  als
eine  eindringliche  Mahnung  zu  strenger  nationaler  Pflichterfüllung
empfunden  werden.

Reichskanzler  Fürst  v.  Bülow.

XXI.  IZum  70.  Geburtstage  Adolf  Wilbrandts.

Zum  70.  Geburtstag  Adolf  Wilbrandts  (24.  August  1907)  hatten  sich  Freunde
des  Dichters  zusammengetan,  um  ihm  ihre  Glückwünsche  in  einem  besonderen  Wilbrandt-Buche
  darzubringen,  zu  dem  Fürst  Bülow  folgenden  Beitrag  beisteuerte:

Der  Dichter,  hat  unser  größter  Dichter  Goethe  einmal  gesagt,  wirke
patriotisch,  wenn  er  lebenslänglich  bemüht  sei,  schädliche  Vorurteile  zu
bekämpfen,  engherzige  Ansichten  zu  beseitigen,  den  Geist  seines  Volkes  aufzuklären
  und  dessen  Gesinnungs=  und  Denkweise  zu  veredeln.  Ich  glaube,
daß  dieses  Wort  besonders  geeignet  ist,  das  Lebenswerk  unseres  Freundes
Wilbrandt  in  seiner  Bedeutung  für  das  deutsche  Volk  zu  bezeichnen.  Gleich
weit  entfernt  von  blutloser  Asthetenkunst  wie  von  politischer  Tendenzschriftstellerei,
  hat  Wilbrandt,  wie  mir  scheint,  seine  höchste  Aufgabe  darin  gesucht,
in  Roman  und  Drama  Erzieher  seines  Volkes  im  Sinne  jenes  Goetheworts
zu  sein.  Wie  ich  schon  in  seinem  ersten  größeren  Werke,  auf  dessen  Titelblatt
die  bedentungsvolle  Jahreszahl  1864  steht,  ein  entschiedenes  Bekenntnis
zu  dieser  Auffassung  des  Dichterberufes  finde,  so  sehe  ich  den  Siebziger
beschäftigt,  eine  Episode  aus  dem  Leben  des  großen  Königs  zu  formen,
zu  dessen  Gestalt  vaterländische  Betrachtung  immer  wieder  verehrend  zurückkehrt.
  Zwischen  beiden  Werken  liegt  ein  langer  Weg,  „auf  dem  die  holde
Flamme  des  vielgestaltigen  Lebens“"  unsern  Dichter  oft  genug  in  die  Ferne,
zu  bunten,  fremdartigen  Schöpfungen  gelockt  hat.  Der  Grundton  seines
Schaffens  aber  ist  eine  starke  und  treue  Liebe  zur  deutschen  Heimat  und
zum  deutschen  Volk.  Berlin,  7.  Juli  1907.

XXII.  An  den  Ministerialdirektor  Althof.

Am  23.  September  1907  wurde  das  Abschiedsgesuch  des  Ministerialdirektors  im
Kultusministerium  Wirkl.  Geh.  Rats  Dr  Fricdrich  Althoff  genchmigt.  Fürst  Bülow
richtete  aus  Norderney  an  den  Scheidenden  das  folgende  Schreiben:

Hötzsch,  Fürst  Bülows  Reden  2c.  III.  18