274  Althoff.  —  Großherzog  von  Baden.  —  Bennigsen.  —  Pachnicke.

Nordernoy,  19.  September.

Euerer  Exzellenz  drängt  es  mich,  bei  Ihrem  Scheiden  von  der  Stelle
langer  und  erfolgreicher  Wirksamkeit  noch  einmal  meinen  Dank  für  Ihre
hervorragende  Mitarbeit  und  meine  besondere  Verehrung  auszusprechen.
Was  Euere  Exzellenz  insbesondere  für  unsere  Hochschule  geleistet  haben,
ist  oft  von  berufener  Stelle  gewürdigt  worden  und  wird  —  davon  bin
ich  überzeugt  —  je  länger,  je  mehr  ungeteilte  Anerkennung  finden.  Aber
weit  über  dieses  spezielle  Gebiet  hinaus  verdankt  unser  kulturelles  Leben
der  unermüdlichen  Energie  und  Arbeitskraft  Euerer  Exzellenz  die  fruchtbarsten
Anregungen.  Wenn  es  galt,  bedeutende  Persönlichkeiten  für  unsere  Bildungsstätten
  zu  gewinnen,  oder  große  wissenschaftliche  Unternehmungen  zu
organisieren,  schien  Ihnen  keine  Schwierigkeit  unüberwindlich,  und  mit
sicherem  Blick  für  Menschen  und  Verhältnisse  wußten  Sie  das  Begonnene
zu  Ende  zu  führen.  Auch  geistige  Werte  bedürfen,  um  sich  in  der  Welt
durchzusetzen,  einer  tragenden  Organisation  und  einer  zielbewußten  Politik.
Als  Kulturpolitiker  in  diesem  Sinne  werden  Euere  Exzellenz  vor  der  Geschichte
  dastehen.  Und  wenn  auch  jetzt  zu  meinem  lebhaften  Bedauern
Gesundheitsrücksichten  Ihnen  die  Notwendigkeit  auferlegen,  aus  dem  Amte
zu  scheiden,  so  wird  die  ausgestreute  Saat  doch  weiter  aufgehen  und  reiche
Frucht  tragen.  Mit  dem  aufrichtigen  Wunsche,  daß  es  Euerer  Exzellenz
noch  lange  beschieden  sein  möchte,  sich  dieser  Erfolge  Ihrer  Lebensarbeit
zu  erfreuen,  bin  ich  in  besonderer  Verehrung  Euerer  Exzellenz  aufrichtig
ergebener

(gez.)  Bülow.

XXIII.  Tod  des  Grohherzogs  Friedrich  I.  von  Baden.

Beim  Heimgange  des  Großherzogs  Friedrich  von  Baden  richtete  Fürst  Bülow
an  den  Großherzog  Friedrich  II.  unter  dem  28.  September  1907  das  nachstehende  Telegramm:


Euerer  Königlichen  Hoheit  bitte  ich  anläßlich  des  Heimgangs  des  Großherzogs
  mein  innigstes  Beileid  aussprechen  zu  dürfen.  Tief  bewegt  gedenke
  ich  der  steten  Güte  und  des  großen  Vertrauens,  mit  denen  mich  der
verewigte  Großherzog  während  vieler  Jahre  ausgezeichnet  hat.  Ich  gedenke
vor  allem  der  unvergänglichen  Verdienste,  die  sich  Großherzog  Friedrich
um  das  deutsche  Volk  erworben  hat.  Sein  Name  bleibt  für  immer  verknüpft
  mit  der  Wiedererrichtung  des  Reichs.  Er  hat  die  nationale  Einigung