278  XXVII.  Zentralverband.  —  XXVIII.  P.  Schmidt.  —  XXIX.  H.  Dernburg.

unerwidert  bleiben  kann  und  die  Freudigkeit  stärkt  zu  weiterem  Fortschreiten
  auf  sozialem  Boden.  Und  so  wird  die  deutsche  Arbeiterschaft,
indem  sie  frei  von  einseitigen  oder  übertriebenen  Forderungen  ihr  eigenes
Interesse  vertritt,  die  wirtschaftlichen  und  sozialen  Verhältnisse  des  Arbeiterstandes
  heben  und  gleichzeitig  die  Grundlage  unseres  staatlichen  Lebens
stärken  und  befestigen.  Diese  Ihre  Bestrebungen  nach  Kräften  zu  fördern,
betrachte  ich  als  eine  meiner  vornehmsten  Aufgaben.

XXVII.  An  den  Zentralverband  Deutscher  Industrieller.
Berlin,  den  29.  Oktober  1907.

Dem  Zentralverbande  Deutscher  Industrieller  danke  ich  verbindlichst
für  das  freundliche  Begrüßungstelegramm  vom  gestrigen  Tage.  Es  ist
für  mich  von  hohem  Werte,  wenn  die  Vertreter  der  industriellen  Arbeitgeber
  sich  so  einmütig  zu  meinen  Anschauungen  über  die  Fortführung
unserer  Sozialpolitik  bekennen.  Die  Bereitwilligkeit  der  Delegiertenversammlung
  zur  Übernahme  neuer  Lasten  auf  diesem  Gebicte  beweist
mir,  daß  die  deutsche  Industrie  entschlossen  ist,  mit  wachsenden  materiellen
Kräften  auch  in  erweitertem  Umfange  au  der  Lösung  sozialer  Aufgaben
mitzuwirken.  Ich  bin  überzeugt,  daß  solche  Opferwilligkeit  auch  dazu
beitragen  wird,  Ordnung  und  Autorität  im  Betriebe  zu  erhalten  und
zu  stärken.

Mit  vorzüglicher  Hochachtung  sehr  ergebenst

v.  Bülow.

XXVIII.  P.  Schmidt.

Fürst  v.  Bülowempfing  am  30.Oktober  1907  P.  Schmidt,  den  Direktor  des  deutschen
katholischen  Hospizes  in  Jerusalem.  Hierüber  berichtete  die  Germania:  „Fürst  Bülow
war  außerordentlich  freundlich  und  liebenswürdig.  Voll  Teilnahme  erkundigte  er  sich
nach  dem  Fortgange  der  Werke  des  Vereins  vom  hl.  Lande  in  Jerusalem.  Die  günstigen
Mitteilungen  waren  ihm  willkommen,  und  er  sagte,  es  freue  ihn  für  die  Gesamtheit  der
deutschen  Katholiken,  daß  ihre  Werke  im  hl.  Lande  mehr  und  mehr  zur  Blüte  kämen.
Er  erwähnte  mit  Bedauern  den  zu  frühen  Tod  seines  alten  und  besten  Freundes,  des
Prinzen  von  Arenberg,  der  ein  hervorragender  Freund  der  deutschen  Palästinawerke