282  Landwirtschaftsrat  —  Staatsbürgerl.  Erziehung.  —  Esmarch.  —  Ärzte.

XXXIII.  Au  den  Landwirtschaftsrat.

Zum  ersten  Male  seit  acht  Jahren  war  im  Jahre  1908  der  Reichskanzler,  an  Influenza
  erfrankt,  verhindert,  am  Festmahl  des  deutschen  Landwirtschaftsrats  teilzunehmen.
Auf  Vorfchlag  des  Grafen  Schwerin-Löwitz  sandte  die  Festversammlung  am  12.  Februar
folgendes  Telegramm:  In  allseitiger  Betrübnis  darüber,  Ew.  Durchlaucht  zum  ersten
Male  seit  8  Jahren  an  seiner  Festtafel  zu  vermissen,  entbietet  der  Deutsche  Landwirtschaftsrat
  seinem  hohen  Gönner,  dem  treuen  Schildhalter  über  der  deutschen  Landwirtschaft,
  ehrerbietigen  Gruß  und  beste  Wünsche  für  baldige  volle  Genesung.

Darauf  dankte  Fürst  Bülow  am  13.  Februar:

Schmerzlich  bedauernd,  meinen  altgewohnten  Platz  beim  Festmahle
des  Deutschen  Landwirtschaftsrates  heute  nicht  einnehmen  zu  können,
danke  ich  herzlich  für  die  freundliche  Begrüßung.  Meine  Arbeit  für  die
deutsche  Landwirtschaft  habe  ich  getan,  tue  ich  und  werde  ich  tun,  weil  ich
glaube,  damit  eine  meiner  vornehmsten  Pflichten  gegen  das  deutsche  Volk
zu  erfüllen.  Die  auch  in  Ihren  Verhandlungen  bekundete  Bereitwilligkeit
der  Landwirtschaft,  ihre  erstarkenden  Kräfte  in  den  Dienst  großer  neuer
sozialer  und  wirtschaftlicher  Aufgaben  zu  stellen  ist  dafür  mein  bester  Lohn
und  zeigt  mir  aufs  neue,  daß  ich  auf  dem  rechten  Wege  bin.

(gez.)  Reichskanzler  Fürst  Bülow.

XXXIV.  An  Oberstleutnant  a.  D.  Grafen  Rödern.

Im  reichsparteilichen  Verein  in  Freiburg  i.  B.  hatte  der  Oberstleutnant  a.  D.  Graf
Rödern  einen  Vortrag  über  die  Notwendigkeit  staatsbürgerlicher  Erziehung  in  der  Schule
gehalten  und  dem  Reichskanzler  gedruckt  zugesandt.  In  seinem  Dankschreiben  bemerkte
Fürst  Bülow  dazu?):

Die  Zerfahrenheit  und  Schwäche  unseres  staatlichen  Lebens  in  vergangenen
  Jahrhunderten  hat  in  unserem  Volke  die  Entwicklung  staatsbürgerlichen
  Gemeinsinns  verlangsamt,  der  für  die  Kraft  einer  Nation
so  viel  bedeutet.  Um  so  mehr  Veranlassung  haben  wir,  in  unserer  heranwachsenden
  Jugend  das  Verständnis  für  die  dem  deutschen  Volke  gestellten
politischen  und  nationalen  Aufgaben  zu  fördern.

:)  Nordd.  Allgem.  Zeitung  14.  Februar  1908.