Januar—März  1908.  283

XXXV.  Tod  Esmarchs.

An  die  Witwe  des  am  22.  Februar  1908  verstorbenen  Professors  Heinrich  von
Esmarch  in  Kiel  sandte  der  Reichskanzler  folgendes  Beileidstelegramm  ½ö:

Euer  Durchlaucht  bitte  ich  bei  dem  Hinscheiden  Ihres  Herrn  Gemahls
auch  von  mir  die  Versicherung  herzlicher  Teilnahme  entgegennehmen  zu
wollen.  Ein  großer  Meister  der  Heilkunst  ist  mit  ihm  aus  einem  gesegneten
Leben  geschieden.  Selbst  unermüdlich,  Wunden  zu  heilen,  und  erfolgreich
bemüht,  andere  zu  lehren,  wie  man  dem  Nächsten  in  Gefahr  und  Not
schnelle  und  wirksame  Hilfe  bringt,  hat  er  seinem  Namen  einen  Ehrenplatz
erworben,  nicht  nur  in  der  Geschichte  der  deutschen  Medizin,  sondern  auch
in  der  der  Kämpfe  für  die  deutsche  Einheit.

Reichskanzler  Fürst  Bülow.

XXXVI.  Uber  den  Arztesland.

Unter  dem  Vorsitze  des  früheren  Ministerialdirektors  Althoff  hatte  sich  am  15.  März
1908  der  Reichsausschuß  für  das  ärztliche  Fortbildungswesen  konstitniert,  mit  den  Zielen:
Anregende  Einwirfung  auf  die  Landeskomitees,  Ausdehnung  des  Fortbildungswesens
auf  diejsenigen  Bundesstaaten,  in  denen  solche  Anstalten  noch  nicht  bestehen,  ferner  die
Ausbreitung  der  ärztlichen  Fortbildung  auch  in  den  ländlichen  Kreisen.  Im  Anschluß
an  die  Sitzung  wurden  die  Mitglieder  des  Reichsausschusses  vom  Reichskanzler  cmpfangen.
Geheimrat  v.  Renvers  dankte  im  Namen  des  Reichsausschusses  dem  Fürsten,  daß  er  das
Ehrenpräsidium  übernommen  habe,  und  bat  um  Förderung  der  Bestrebungen  der  Vereinigung.
  In  seiner  Antwort  betonte  der  Reichskanzler,

daß  wohl  kein  anderer  akademischer  Stand  Einrichtungen  für  seine
Fortbildung  geschaffen  habe  wie  der  deutsche  Arztestand.

Er  erblicke  in  dem  Arzte  nicht  nur  den  Hüter  der  Gesundheit;  auch  in
sozialpolitischer  Beziehung  sei  der  Arztestand  von  großer  Bedeutung,  weil
der  Arzt,  mehr  wie  die  Angehörigen  anderer  alkademischer  Berufsstände,
in  nahe  Berührung  mit  den  breitesten  Schichten  der  Bevölkerung  komme
und  dadurch  beständig  Gelegenheit  zu  unmittelbarer  Einwirkung  habe.

Dieser  Umstand  habe,  wie  der  Reichskanzler  des  weiteren  hervorhob,
ihn  stets  dazu  veranlaßt,  der  Förderung  des  deutschen  Arztestandes  sein
reges  Interesse  zuzuwenden;  auch  künftighin  werde  er  es  sich  angelegen
sein  lassen,  die  Bestrebungen  des  Reichsausschusses  für  das  ärztliche  Fortbildungswesen
  nach  besten  Kräften  zu  unterstützen.

1)  Berliner  Lokalanzeiger  26.  Februar  1908.