März  1908.  285

wände.  Aber  damit  wollte  unser  Botschafter  durchaus  nicht  die  gemeinsame
Arbeit  der  Großmächte  schädigen;  im  Gegenteil,  er  stellte  ihnen  seine  Unter—
stützung,  seine  Kenntnis  des  Terrains  zur  Verfügung  und  hielt  es  deshalb
für  nötig,  die  Aufmerksamkeit  seiner  Kollegen  auf  gewisse  Punkte  zu  lenken,
welche  zu  ernsten  Schwierigkeiten  führen  konnten.  Überdies  schlossen  sich
seine  Kollegen  einstimmig  seiner  Meinung  an.  Niemals  hat  Baron  Marschall
es  abgelehnt,  eine  Kollektivnote,  welche  die  Billigung  aller  seiner  Kollegen
finden  würde,  zu  unterschreiben  und  als  doven  des  ambassadeurs  dem
Sultan  vorzustellen.  Der  Gang  unserer  Gedanken  und  Handlungen  in  der
mazedonischen  Frage  ist  sehr  klar  und  einfach:  wir  unterstützen  ehrlich  das
gemeinsame  Programm,  und  wenn  die  eine  oder  andere  Erwägung,  welche
wir  im  Interesse  der  Sache  selbst  für  nötig  finden,  nicht  die  Billigung
Europas  findet,  so  werden  wir  den  mehr  interessierten  Mächten  den  Vortritt
  lassen.

Noch  eine  Frage  verdirbt  uns  nicht  wenig  das  Blut,  bemerkte  ich,  die
persische  Fragc.  Ich  verstehe  darunter  die  Ihnen  zugeschriebenen  Pläne
des  „friedlichen  Eindringens“  in  das  Reich  des  Schahs.  Die  Gründung
der  Deutschen  Bank  und  der  deutschen  Schule  in  Teheran  scheint  diese
Annahme  zu  bestätigen.

Beruhigen  Sie  sich,  entgegnete  der  Kanzler.  Wir  schicken  uns  durchaus
nicht  an,  Ihrer  Tätigkeit  in  Persien  entgegen  zu  sein.  Wir  werden  auch  in
Zukunft  fremde  Rechte  achten.  Wir  verfolgen  in  Persien  nur  wirtschaftliche
Interessen,  um  nach  Möglichkeit  unserer  Industrie,  unserem  Handel  entgegenzusommen.
  Ihr  letztes  Abkommen  mit  England  hat  das  Prinzip  der
offenen  Türen  proklamiert.  Wir  wünschen  davon  Vorteil  zu  ziehen  im
Einklang  mit  der  Gesamtrichtung  unserer  Politik,  welche  das  Prinzip  der
freien  Konkurrenz  in  den  unabhängigen  Ländern  mit  einer  wirtschaftlichen
Zukunft  vertritt.  Da  die  Englische  Bank  und  ebenso  die  Bank,  welche  Sie
in  Persien  gegründet  haben,  mit  breiteren  Aufgaben  beschäftigt  sind,  so
haben  unsere  kommerziellen  Kreise  die  Notwendigkeit  gefühlt,  für  ihre
Geschäfte  eine  Bank  zur  Hand  zu  haben,  welche  sich  spezieller  mit  ihren
Angelegenheiten  beschäftigt.  Diese  Erwägungen  haben  dazu  geführt,  eine
Deutsche  Bankfiliale  in  Persien  zu  gründen.  Was  die  Schule  anbetrifft,
so  verdankt  sie  ihre  Existenz  der  wohlwollenden  Initiative  des  Schahs.
Vergessen  Sie  nicht,  daß  es  in  Persien  auch  andere  Schulen  gibt,  eine
große  amerikanische,  zwei  französische  und  eine  russische.  Warum  greift
man  uns  so  wegen  unserer  Schule  an?  Dasselbe  kann  man  auch  über  die
geplante  Zweiglinie  der  Bagdadmagistrale  sagen,  welche  die  Residenz
Mesopotamiens  mit  Ganskin  verbinden  soll.  Was  hat  mannicht  gesprochen!