288  XXXVIII.  Mönckeberg.  —  XXXIX.  In  Wien.  —  XI.  Unsittlichkeit.

XXXVIII.  Tod  des  Bürgermeisters  Dr.  Möuckeberg.

Telegramm  an  den  Hamburger  Senat:
Berlin,  27.  März.
Den  hohen  Senat  der  Freien  und  Hansestadt  Hamburg  bitte  ich  anläßlich
  des  Hinscheidens  des  hochverdienten  Bürgermeisters  Mönckeberg
den  Ausdruck  meines  tief  empfundenen  Beileids  entgegennehmen  zu  wollen.
Hamburg  verliert  in  dem  Heimgegangenen  einen  seiner  hervorragendsten
und  besten  Bürger,  der  bis  zum  letzten  Atemzuge  seiner  Heimatsstadt  und
dem  Reiche  treu  und  aufopfernd  gedient.  Sein  Andenken  wird  immerdar
in  Ehren  gehalten  werden.
Reichskanzler  Fürst  Bülow.

XXXIX.  Zwei  Juterviews  in  Wien.

Am  29.  und  30.  März  1908  war  Fürst  Bülow  in  Wien  und  empfing  dort  die  Vertreter
  des  „Pester  Lloyd“  und  des  „Neuen  Wiener  Tagblatts“,  zu  denen  er  sich
folgendermaßen  über  seine  Begegnung  mit  dem  Freiherru  von  Aehrenthal  äußerte  ½):

Dem  Vertreter  des  „Pester  Lloyd“  erklärte  er,  daß  er  den  ersten  Tag,
den  ihm  die  Geschäfte  frei  ließen,  dazu  benutzt  habe,  um  Freiherru  v.  Aehrenthal
  den  Gegenbesuch  für  dessen  vorjährigen  Besuch  abzustatten.  Das
allein  war  der  Anlaß  zu  seiner  Reise  nach  Wien,  und  gegenüber  den  mannigfachen
  Vermutungen  hierüber  wolle  er  feststellen,  daß  ein  besonderer
politischer  Grund  zu  dieser  Begegnung  mit  Freiherrn  v.  Achrenthal  nicht
vorliegt.  Es  sei  selbstverständlich,  daß,  wenn  Staatsmänner  so  eng  befreundeter
  Reiche  zusammenkommegn,  sie  die  Gelegenheit  bennutzen,  um  über
alle  schwebenden  politischen  Fragen  einen  Gedankenaustausch  zu  pflegen.

„Zu  meiner  Freude  kann  ich  feststellen“,  sagte  Fürst  Bülow,
„daß  bei  dieser  Unterredung  eine  vollständige  Ubereinstimmung  unserer
Ansichten  in  allen  Hauptpunkten  der  internationalen  Fragen  sich  ergeben
hat.  Nach  wie  vor  verfolgt  die  Politik  der  beiden  Reiche  als  ihr  vornehmstes
Ziel  die  Erhaltung  des  europäischen  Friedens  und  als  sicherstes  Mittel
hierfür  die  Aufrechterhaltung  des  Einvernehmens  unter  den  Mächten.
Jenes  Ziel  und  dieses  Mittel  verlieren  wir  in  keinem  Augenblicke  und  in
keiner  Phase  der  Entwicklung  der  Ereignisse  aus  den  Augen“.

1)  Nach  dem  Bericht  der  „Vossischen  Zeitung“  vom  30.  März  1908.