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Vorschriften  gemachte  Erfahrung  im  Interesse  der  Bekämpfungder  Unsittlich—
keit  einer  weiteren  Ergänzung  bedarf,  wird  bei  der  bereits  in  Angriff  ge—
nommenen  Revision  des  Strafgesetzbuches  von  neuem  in  Erwägung  ge—
nommen  werden.  Ich  habe  Anordnung  getroffen,  daß  die  mit  der  Aus—
arbeitung  eines  vorläufigen  Entwurfs  für  ein  neues  Strafgesetzbuch  betraute
Kommission  von  den  Vorschlägen  in  dem  Beschlusse  des  27.  Adelstages
Mitteilung  erhält.  Einen  durchgreifenden  Erfolg  der  Bestrebungen,  die
auf  eine  Besserung  der  vorhandenen  llbelstände  hinzielen,  kann  ich  mir
übrigens  nur  versprechen,  wenn  die  öffentliche  Meinung  sich  mehr  und
mehr  der  schweren  Schäden  bewußt  wird,  die  insbesondere  der  heranwachsenden
  Jugend  ans  der  überhandnehmenden  Unsittlichkeit  in  Schrift
und  Bild  drohen.  Ich  begrüße  es  daher,  wenn  die  Deutsche  Adelsgenossenschaft
  sich  auch  weiterhin  zur  Aufgabe  stellen  will,  in  diesem  Sinne  auf
die  öffentliche  Meinung  einzuwirken.

(gez.)  Bülow.

XII.  Besuch  von  Sigmund  Münz!).
Venedig,  25.  April.

Die  Gondel  legte  vor  dem  „Hotel  Grande  Bretagne“  am  Canal  Grande
an,  wo  der  Reichskanzler  mit  seiner  Familie  wohnt.  Aus  der  Gondel  stiegen
der  Kanzler  und  die  Fürstin  sowic  deren  Mutter  Donna  Laura  Minghetti.
Sie  kamen  von  einem  Besuche  bei  der  Lady  Layard,  der  Witwe  des  englischen
  Botschafters,  aus  deren  mit  den  herrlichsten  Kunstwerken  ansgestattetem
  Palast,  der  Ca'  Capello,  zurück.

Ich  hatte  den  Reichskanzler  seit  längerer  Zeit  nicht  gesehen.  Er  ist
seither  schlanker  geworden  und  macht  einen  frischen  Eindruck.  Das  Gesicht
zeigt  gesunde  Röte.  Das  Haar  ist  wohl  etwas  gebleicht,  aber  das  Blond
überwiegt  noch.

Der  Fürst  sagte,  er  habe  den  Wunsch  gehabt,  schlanker  zu  werden,
wolle  aber  jetzt  bei  dem  Gewichte  bleiben,  das  er  so  glücklich  erreicht  habe.

Bei  Tisch  waren  meine  Nachbarn  der  Reichskanzler  und  der  Präsident
der  römischen  Akademie  der  Wissenschaften,  der  Senator  Professor  Blaserna,
gewesen.

1)  Mit  Genehmigung  des  Verfassers  und  der  Redaktion  der  „Neuen  Freien  Presse"
wird  hier  der  Artikel  des  Herru  S.  Münz  in  Nr.  15692  der  „Neuen  Freien  Presse“,  vom
28.  April  1908,  wiedergegeben.