292  XLI.  S.  Münz.

Der  Fürst  bemerkte:  „Die  Villa  hat  einc  alte  Geschichte.  Man  bringt
sic  sogar  mit  den  Namen  Lucullus  und  Sallust  in  Zusammenhang“.

„Ich  war“,  meinte  der  Fürst  lächelnd,  „vielleicht  prädestiniert,  sie  zu
erwerben.“  Er  zog  seine  goldene  Taschenuhr  heraus  und  bemerkte:  „Ich
trage  seit  42  Jahren  diese  Uhr  bei  mir,  auf  deren  Deckel  Sie  die  Worte
aus  Sallusts  Bellum  Jugurthinum  eingraviert  sehen:  „Animus  humani
Leneris  rector  agit  atque  habet  cuncta  neque  ipse  habetur“.  (Der  Geist
ist  der  Lenker  des  Menschengeschlechts;  er  ist  Herr  über  alles  und  niemand
ist  Herr  über  ihn.)

„Ich  nehme,  Durchlaucht,  an“,  erlaubte  ich  mir  zu  bemerken,  „es
werden,  wenn  Sie  in  Zukunft  Ihre  Erholung  in  der  Villa  Malta  genicßen,
Sallustische  Neigungen  über  Sie  kommen,  und  Sie  werden  dort  im  Schatten
der  alten  herrlichen  Bäumc  einige  Muße  finden,  von  den  Geschäften  auszuruhen
  und  die  Geschichte  niederzuschreiben,  die  Sie  selbst  erlebt  haben."

Der  Fürst  erwiderte:  „Sie  meinen  —  ich  werde  meine  Memoiren
schreiben.  Das  will  ich  mir  wohlweislich  überlegen“.

Und  lächelnd  äußerte  er  zu  dem  gegenübersitzenden  Gesandten  v.  Flotow:
„Sie  sind  der  Personalreferent  im  Auswärtigen  Amt.  Wie  wäre  es,  wenn
Sie  es  sich  von  jedem  eintretenden  Diplomaten  schriftlich  geben  ließen,  daß
er  sich  für  den  Fall,  daß  er  jemals  Memoiren  veröffentliche,  zu  einem  Reugeld
  von  einer  halben  Million  verpflichte?“"

„Dann,  Durchlaucht“,  meinte  ich,  „werden  die  Verleger  eine  ganze
Million  bezahlen."

„Ich  glaube“,  entgegnete  der  Kanzler,  „daß  solche  Honorarc  nicht
häufig  sein  werden.  Auch  die  Diplomaten  kochen  meist  mit  Wasser“.

Der  Fürst  sagte  darauf,  er  hätte  bei  seiner  jüngsten  Anwesenheit  in
Rom  aus  dem  Munde  Visconti-Venostas  vernommen,  daß  Graf  Nigra
tatsächlich  seine  Memoiren  verbrannt  habe.  Der  Fürst  erzählte  das  unter
dem  Ausdrucke  des  Bedauerns  und  rühmte  die  historisch  sachliche  Darstellung
  des  verstorbenen,  so  sehr  interessanten  italienischen  Diplomaten,
den  er  persönlich  gut  gekannt  habe.

Der  Kanzler  erzählte,  daß  Graf  Nigra  in  der  Zeit,  als  er  Botschafter
in  Wien  war,  den  Sommer  auf  dem  Kahlenberg  verbrachte,  wo  er  oft  mit
ihm  zusammengetroffen  sei.  Dort  habe  ihm  Nigra  ein  Kapitel,  „Villafrauca“
  betitelt,  aus  seinen  Aufzeichnungen  vorgelesen,  und  nun  versuchte
der  Kanzler  aus  dem  Gedächtnisse  dieses  Kapitel  zu  rekonstruieren.  Fürst
Bülow  erzählte  über  diese  Aufzeichnungen  Nigras:

„Nach  den  Siegen  von  Magenta  und  Solferino  hatte  Napolcon  III.
eine  Unterredung  mit  Viktor  Emannel  II.,  in  welcher  er  sagte,  Frankreich