298  XILI.  S.  Münz.  —  XLII.  Nieberding.

Wiederholt  kam  die  Rede  auf  die  Villa  Malta,  den  nunmehrigen
römischen  Besitz  des  Fürsten.  Der  Reichskanzler  sagte:  „Ich  habe  in  den
Zeitungen  gelesen,  daß  in  der  Villa  noch  vieles  einzurichten  wäre.  Das
ist  ganz  und  gar  nicht  der  Fall.  Es  ist  so,  wie  wenn  man  sagte,  daß  dieser
gedeckte  Tisch,  an  dem  wir  da  sitzen,  noch  gedeckt  werden  müßte.  Ich  habe
die  Villa  Malta  aufs  beste  eingerichtet  vorgefunden.  Graf  Bobrinski,  der
bisherige  Eigentümer,  hat  sie  aufs  vollkommenste  ausgestattet.  Es  bleibt
uns  nichts  mehr  zu  tun  übrig“.

Ich  fragte  den  Fürsten,  ob  ihm  die  Villa  von  den  Tagen  her,  da  er
Botschafter  in  Rom  war,  vertraut  sei.  Der  Fürst  sagte,  er  wäre  nur  des
Abends  beim  Grafen  Bobrinski  einigemal  zu  Tisch  gewesen,  aber  die
Fürstin  hätte  die  Villa  genauer  gekannt.

Der  Fürst  legt  offenbar  Wert  darauf,  in  ein  Haus  einzuziehen,  in
welchem  einstmals  so  manche  große  Deutsche  ein=  und  ausgegangen  sind.
Der  Fürst  schilderte  die  Schönheit  der  Villa  Malta  mit  ihren  vielen  Rosenarten,
  die  der  russische  Graf  Bobrinski,  ein  Rosenzüchter  ersten  Ranges,
dort  gepflanzt  hat.  „In  Villa  Malta  wächst  in  dichten  Gebüschen  der  Lorbeer
und  ragen  die  Palmen  stolz  in  die  Lüfte."

Der  Fürst  bemerkte:  „Goethe  hat  die  Villa  anläßlich  seines  ersten
italienischen  Aufenthaltes  im  Jahre  1788  besucht  —  ein  Jahr  später  verbrachte
  Herder  in  der  Umgebung  der  Herzogin  Amalie  von  Weimar  den
Frühling  dort.  Zu  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  beherbergte  diese  einstige
Sommerresidenz  der  Malteserritter  auch  die  bekannte  Verfasserin  des
„Römischen  Lebens“,  Friederike  Brun,  mit  ihrer  Tochter,  der  Gräfin
Bombelles.  Bald  nach  ihr  etablierte  sich  dort  Wilhelm  von  Humboldt,  der
als  preußischer  Gesandter  in  Rom  fünf  Jahre  in  der  Villa  Malta  lebte  und
hier  auch  seinen  Bruder  Alexander  bei  sich  zu  Gaste  sah,  als  dieser  von
seiner  südamerikanischen  Forschungsreise  zurückkehrte.  Thorwaldsen,
Canova  und  auch  die  in  der  Nachbarschaft  der  Villa  wohnende  Angelica
Kauffmann  waren  gern  gesehene  Gäste  Wilhelm  v.  Humboldts.  Im  Jahre
1827  wurde  Kronprinz  Ludwig  von  Bayern  Besitzer  der  Villa  und  sein
Haus  zum  Sammelpunkt  der  hervorragendsten  Künstler.  Auch  als  König
kam  er  zuweilen  hin  und  noch  häufiger,  nachdem  er  dem  Thron  entsagt  hatte."

Ich  fragte  den  Fürsten,  wann  er  sein  neues  Heim  wieder  besuchen
würde,  und  er  autwortete:  „Voraussichtlich  im  nächsten  Frühling.“

„Und  werden  Durchlaucht  zuweilen  auch  den  Herbst  dort  zubringen?“

Der  Fürst:  „Das  wird  von  den  Geschäften  abhängen“.

In  seiner  „Italienischen  Reise“  erzählt  Goethe,  daß  er  vor  seinem
orsten  Abschied  von  Rom  im  April  1788  einem  römischen  Freunde  Dattel-