September  190).  307

in  weißer  Sontane  erscheinenden  Papst,  worauf  sich  die  Monsignori  wieder
feierlich  schweigend  zurückzogen.  .  .  Der  Papst  war  sehr  gütig  und  beneidete
das  Fürstenpaar  darum,  daß  es  den  Osterausflug  nach  seiner  vielgeliebten
Lagunenstadt  unternehmen  konnte.  Er  wünschte  seinen  Besuchern  einen
glücklichen  Aufenthalt  in  Venedig  und  fügte  scherzhaft  hinzu:  „Und  seien
Sie  dort  vorsichtig,  damit  Sie  kein  Automobil  überfahre.“  Sehr  schön
schilderte  der  Papst  auch  seine  langen  Spaziergänge  in  früher  sommerlicher
  Morgenstunde  am  Lido.

„Und  all  das“,  bemerkt  die  Fürstin,  „sprach  er  mit  einer  an  Orgelklang
  erinnernden  volltönenden  Stimme.“

Herr  Sturdza  brachte  die  Rede  auf  die  berühmte  Benediktinerabtei
von  Montecassino  mit  ihren  herrlichen  Bücherschätzen,  an  deren  Aublick
sich  sein  der  Gelehrsamkeit  ergebenes  Wesen  tagelang  gelabt  hat.  Das
Gespräch  kam  auf  die  Klöster  überhaupt.  Der  Kanzler  rühmte  die  Benediktiner
  als  Träger  der  Kultur  in  alten  Zeiten  und  als  edle  und  milde  Priester
auch  noch  in  unseren  Tagen.

Von  Montecassino  lenkte  die  Rede  zu  anderen  Teilen  Italiens  hinüber.
Die  Fürstin  bemerkte,  nichts  ginge  ihr  über  Rom  und  über  einige  am  Meer
gelegene  Punkte  Italiens.  Dann  schilderte  sie  den  so  völlig  verschiedenen
Anblick,  den  Strand  und  Dünen  in  Norderney  bieten  und  der  so  recht  und
ebenso  sehr  zu  ihrem,  nun  so  ganz  deutsch  gewordenen  Gemte  spreche.
Sie  freute  sich,  daß  die  Gärtner  nun  immer  mehr  Terrain  den  hiesigen
Dünen  abgewinnen,  um  Blumengärten  anzulegen.  Der  Tisch  war  mit
einer  Lieblingsblume  des  Kanzlers,  Heliotrop,  bestreut.

Im  Salon  wurde  der  Kaffee  genommen.  Bald  sagte  der  Kanzler:

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„Herrn  Sturdza  muß  ich  meinen  Gästen  eutführen.“  Sobald  der  rumänische
Staatsmann  seinen  Kaffee  zu  Ende  geschlürft  hatte,  uahm  ihn  der  Kanzler
beim  Arm  und  führte  ihn  in  das  benachbarte  Arbeitszimmer.  Hier  fand
eine  fast  zweistündige  Besprechung  der  beiden  Staatsmänner  ohne  Zeugen
statt.  Die  übrigen  Gäste  unterhielten  sich  indessen  mit  der  Fürstin,  die
ihrer  Freude  darüber  Ausdruck  gab,  daß  sie  noch  ungefähr  einen  Monat
auf  diesem  sturmumbrausten  Eiland  zubringen  werde.

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Auch  heute  geht  es  nicht  wenig  stürmisch  her.  Der  Sturm  hatte  die
ganze  Nacht  gewütet.  Schon  des  Abends  waren  Sturmvögel  in  Massen
über  dem  Inselstädtchen  dahingeflattert,  ein  Zeichen,  daß  rauhes  Wetter
zu  erwarten  sei.  Regen  und  Wind  schlagen  wie  Peitschenhiebe  nieder  auf
das  Gesicht.  Es  herbstelt  in  Norderney.

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