320  L.  S.  Whitman.

2  gepanzerte  Kanonenboote  von  3592t.  So  würde  augenblicklich  die
Gesamttonnage  bei  Panzerschiffen  und  Kreuzern  in  den  vier  Ländern  sein:

Deutschland:  179  555  t  Verein.  Staaten:  614  179  t.
England:  1587  852  t  Frankrcich  514567  t.

Es  ist  unwahr,  daß  die  deutsche  Marine  mit  immer  sich  steigernder
Schnelligkeit  wüchse,  denn  alle  jetzt  in  Bau  befindlichen  Schlachtschiffe
sind  nur  Ersatzschiffe  —  natürlich  bessere  —  für  die  veralteten  Schiffe  der
Sachsen-  und  Siegfriedklasse,  die,  obwohl  sie  gar  nicht  den  Namen  von
Schlachtschiffen  verdienen,  doch  noch  als  solche  in  der  Ubersicht  des  deutschen
Flottengesetzes  von  1900  figurieren.

Ferner  ist  unwahr,  daß  neue  Flottenprogramme,  eines  immer  größer
als  das  anderc,  eingebracht  werden.  Z.  B.  die  Kreuzer,  die  in
der  Ubersicht  von  1906  stehen,  waren  schon  im  Flottenprogramm  von  1900
enthalten,  aber  nur  aus  verschiedenen  Gründen  auf  ein  paar  Jahre  zurückgestellt
  worden.  Schließlich:  die  neuerliche  Herabsetzung  des  Lebensalters
der  Schlachtschiffe:  niemand  kann  darin  eine  exzeptionelle  Vermehrung
der  deutschen  Flotte  sehen,  da  die  Beschränkung  der  Lebensdauer  eines
Schlachtschiffes  auf  20  Jahre  den  Forderungen  der  modernen  Technik
entspricht.  Deutschland  folgt  dabei  nur  dem  Beispiel  anderer  Nationen.
Es  braucht  nur  angeführt  zu  werden,  daß  kürzlich  in  einer  Debatte  des
englischen  Unterhauses  Kapitän  Hervey  erklärte,  nach  seinen  Informationen
rechne  die  englische  Admiralität  die  Lebensdauer  der  großen  Panzer  nicht
mehr  als  15  Jahre.

Fürst  Bülow  sagte  dann,  daß  aus  der  großen  Zahl  der  Mitglieder
des  deutschen  Flottenvereins  viel  zu  viel  gemacht  worden  sei.  Hier  ist  wieder
die  Falschheit  der  Darstellung  in  der  „Quarterly  Revicw“  ersichtlich.  Man  darf
zunächst  nicht  vergessen,  daß  die  deutsche  Handelsflotte  die  zweitgrößte  der
Welt  ist.  Die  deutschen  Interessen  draußen  erreichen  ungefähr  sechzehn
Milliarden  Mark,  =  800  Millionen  Pfund.  Es  ist  aber  nur  natürlich,  wenn
ein  starkes  Gefühl  für  den  Schutz  des  Handels  über  See  vorhanden  ist,
und  aus  diesem  Gefühl  ergibt  sich  natürlich  der  Wunsch,  eine  Flotte  zu
besitzen,  die  der  Wichtigkeit  dieses  Handels  entspricht.  Dazu  muß  man
dann  noch  bedenken,  daß  die  Deutschen  als  Volk  vielleicht  mehr  als  andere
Nationalitäten  dazu  neigen,  Vereine  aus  der  geringsten  Veranlassung  für
alle  möglichen  Zwecke  zu  bilden.  Gewöhnlich  sind  diese  auf  einen  geringen
Jahresbeitrag  gestellt.  Aber  wenn  etwas  mehr  als  etwas  anderes  zu
dem  Aufblühen  des  Flottenvereins  beigetragen  hat,  so  war  es  die
fortwährende  nörgelnde  Aufmerksamkeit,  mit  der  dic  englische  Presse  ihn
verfolgte.