September  1908.  331

liebe.  Es  sind  Patrioten,  die  sich  bemühen,  Konflikten  vorzubeugen  durch
Bekämpfung  der  immer  schädlichen  Unwissenheit,  ungesunder  Rankünen,
des  oft  blinden  Hasses,  der  nicht  selten  trügerischen  Ambitionen.
(Lebhafter,  anhaltender  Beifall.)
So  vorgehend  geben  Sie  einen  Beweis  von  Patriotismus,  eines  Patriotis-=mus,
  der  den  Weg  frei  macht,  der  Hindernisse  beseitigt  und  so  den  Aufstieg
  der  Menschheit  zu  dem  allen  Zeiten  und  allen  Völkern  gemeinsamen
Idcal  erleichtert.
(Lebhafter  Beifall.)

Belehrt  durch  seine  Geschichte,  die  ihm  drei  Jahrhundert  hindurch
die  härtesten  Erfahrungen  nicht  erspart  hat,  will  und  muß  Deutschland
stark  geung  sein,  um  sein  Gebiet,  seine  Würde  und  seine  Unabhängigkeit
zu  verteidigen.  Es  mißbraucht  seine  Kraft  nicht  und  wird  sie  nicht  mißbrauchen.
  Das  deutsche  Volk,  das  Frieden  wünscht,  einen  auf  Recht  und
Gerechtigkeit  gegründeten  Frieden,  und  das  durch  Bewahrung  des  Friedens
während  so  vieler  Jahre  die  Aufrichtigkeit  seines  Wunsches  bewiesen  hat,
zollt  Ihren  Arbeiten  Beifall.  Ich  weiß  mich  mit  meinen  Landsleuten
einig,  indem  ich  Ihnen  sage:  Mögen  Ihre  Arbeiten  fruchtbar  sein,  mögen
sie  nutzbringend  sein  für  alle  Völker,  deren  Vertreter  uns  die  große  Freude
und  die  große  Ehre  erwiesen  haben,  nach  Berlin  zu  kommen.

(Anhaltender,  lebhafter  Beifall  und  Händeklatschen.)

Am  19.  September  veranstaltet:  der  Kanzler  im  Garten  des  Reichskanzlerpalais
einen  Empfang  für  die  Mitglieder  der  interparlamentarischen  Konferenz.  Bei  diesem
Anlaß  hielt  Lord  Weardale  eine  Ansprache  an  den  Kanzler,  in  der  er  diesem  dankte
für  das  Sidney  Whitman  gewährte  Interview  1),  das  in  England  mit  Befriedigung
gelesen  worden  sei.  Lord  Weardale  fügte  hinzu,  daß  990,  aller  Engländer  die  allerbesten
  Bezichungen  zu  Deutschland  wünschten.  Der  Reichskanzler  antwortete  darauf
in  englischer  Sprache  )

„Er  freue  sich  sehr,  die  Herren  bei  sich  zu  sehen,  er  könne  von  seiten  der
Deutschen,  des  Kaisers  und  des  deutschen  Volkes,  wie  von  seiner  eigenen
Seite  versichern,  daß  wir  nur  beabsichtigten,  die  allerbesten  Beziehungen
zu  England  zu  haben;  er  hoffe,  daß  die  Kongreßmitglieder  sich  hier  von
dieser  guten  Gesinnung  überzeugt  hätten  und  sich  wohl  gefühlt  haben
möchten.  Ubrigens  bedauere  er,  daß  er  kein  besseres  Englisch  spräche.“

In  einem  längeren  Gespräch  mit  Alexander  Gutschkow,  dem  Führer  der
russischen  Oktobristenpartei,  bemerkte  Fürst  Bülow:  Er  persönlich  sei  der  Meinung,  daß
zwischen  Rußland  und  Deutschland  nur  solche  Mißverständisse  bestehen  könnten,  die

1)  S.  Nr.  L.
2)  Nordd.  Allgem.  Ztg.  20.  Sept.  1908.