332  LII.  Internat.  Pressekongreß.

stets  zu  beseitigen  wären.  Zum  Beweise  dessen  führte  der  Reichskanzler  den  Um—
stand  an,  daß  weit  über  100  Jahre  zwischen  den  Nachbarländern  Rußland  und  Deutsch—
land  keine  Kriege  stattgefunden  hätten.  „Aber  in  der  Vergangenheit  hat  man  doch
viel  vom  deutsch-russischen  Kriege  gesprochen,  Durchlaucht“,  bemerkte  Gutschkow.  „Aber
es  blieb  auch  bei  Gesprächen“,  erwiderte  der  Fürst.

LlI.  Internationaler  Pressekongreß.

Auch  für  die  Teilnehmer  des  in  Berlin  tagenden  internationalen  Pressekongresses  gab
Fürst  Bülow  am  22.  September  1908  im  Garten  des  Reichskanzlerpalais  einen  Empfang.
Im  Namen  des  Kongresses  dankte  der  Präsident,  W.  Singer,  für  den  freundlichen
Empfang:  Der  Kanzler  habe  wohl  erkennen  wollen,  daß  die  Presseverbindung  bei  dem
Bestreben  der  Staatsmänner,  in  die  Beziehungen  der  VBölker  möglichst  viel  Frieden,
Freundschaft  und  Gerechtigkeit  zu  leiten,  tätig  mithelfen  könnte.  Und  in  der  Tat  sei  es
der  sehnlichste  Wunsch  des  Kongresses,  solange  die  Weltereignisse  es  erlaubten,  die  Wege
des  Friedens  zu  wandeln.  Der  Redner  fügte  in  französischer  Sprache  einige  Worte  hinzu,
in  denen  er  als  besondere  Freundlichkeit  gegenüber  der  Presse  hervorhob,  daß  der  Fürst
seinen  Urlaub  unterbrochen  hätte,  um  anch  diesen  Kongreß  empfangen  zu  können.  Dicht
umdrängt  von  den  Gästen,  erwiderte  Fürst  Bülow:

Meine  Herren  und  Damen!  Ich  danke  Ihrem  verehrten  Herrn  Präsidenten
  für  seine  freundlichen  und  beredten  Worte,  ich  danke  Ihnen  allen
für  die  sympathische  Aufnahme,  die  Sie  diesen  Worten  bereitet  haben.
Sie  haben,  meine  Herren,  heute  bereits  arbeitsreiche  Stunden  hinter  sich.
Ich  hoffe,  daß  Ihre  Beratungen  den  Interessen  Ihres  Berufs  förderlich
gewesen  sind.  Ich  hoffe,  daß  Ihre  Verhandlungen  auch  weiter  zu  Ihrer
aller  Zufriedenheit  verlaufen  werden.  Es  ist  mir  eine  große  Freude,  Sie  hier
begrüßen  zu  können,  und  ich  hoffe,  daß  Sie  auch  diese  Stunden  der  Erholung
  nicht  als  verloren  betrachten  werden.  Ich  will  Ihnen  verraten,
meine  Herren  von  der  Feder,  daß  meine  Beziehungen  zur  Presse  früh
angefangen  haben.  Wir  saßen  eines  Abends  in  Frankfurt,  der  schönen  Mainstadt,
  um  den  runden  Familientisch,  meine  Eltern,  meine  Geschwister  und
ich,  als  das  Abendblatt  hereingebracht  wurde,  —  ich  weiß  nicht  mehr,  war
es  das  Frankfurter  Journal  oder  die  Augsburger  Allgemeine  Zeitung.
Voll  Wißbegierde  griff  ich  dummer  zehnjähriger  Bengel  nach  dem  Blatt,
fuhr  in  meinem  Eifer  mit  allen  fünf  Fingern  in  den  heißen  Zylinder  der
Lampe,  die  auf  dem  Tisch  stand,  und  verbrannte  mich  greulich.

(Heiterkeit.)
Das  war  das  erstemal,  daß  ich  mir  die  Finger  mit  der  Presse  verbrannthabe
(Große  Heiterkeit),
und  15  oder  18  Jahre  später  —  ich  war  sugendlicher  Geschäftsträger
in  Athen  —  las  ich  in  einem  großen  Wiener  Blatt,  einem  Weltblatt,