September  1908.  333

das  ich  zu  meiner  Freude  hier  vertreten  sehe,  etwa  folgendes:  Fürst
Bismarck  —  las  ich  da  —  muß  ein  wahrer  Meister  der  diplomatischen
Kunst  sein,  wenn  er  alle  Torheiten  wieder  gutmachen  will,  die  der  deutsche
Geschäftsträger  in  Athen  jetzt  anrichtet.

(Grose  Heiterkeit.)

Schon  das  Außere  dieses  Geschäftsträgers;  wie  Numero  5  am  Geschütz
—  die  Numero  5  am  Geschütz  ist,  soviel  ich  weiß,  der  Kanonier,  der  gar  nichts
zu  tun  hat  —  schaut  der  drein,  so  einfältig  schaut  dieser  junge  Herr  v.  Bülow
in  die  Welt.  Das  war  das  erstemal,  daß  sich  die  Presse  eingehender  mit  mir
beschäftigt  hat.  Nasus  displicuit  mens.  Mein  Außeres  hat  dem  betreffenden
  Korrespondenten  nicht  gefallen.  Ich  weiß  nicht,  ob  der  Herr,
wenn  er  noch  lebt,  jetzt  günstiger  über  mich  denkt,  von  der  Neuen  Freien
Presse  hoffe  ich  es,  withont  sishing  sor  compliments.

Ich  habe  später  auch  angenehmere  Erfahrungen  mit  der  Presse  gemacht.
Als  ich,  wieder  um  einige  Jahre  später,  es  war  Anfang  der  achtziger  Jahre,
an  unserer  Pariser  Botschaft  tätig  war,  da  frug  ich  einmal  —  ich  war  in
moelancholischer  Stimmung,  ich  fand,  mein  Avancement  ging  nicht  rasch
genng,  in  der  Armee  nennt  man  das  die  Leutnantsmelancholic  —  den
Vertreter  der  Times,  Blowitz  —  es  war  ein  kluger  Mann  —,  ob  ich
Aussichten  im  Journalismus  hätte.  „Sofort  bringe  ich  Sic  an“,  erwiderte
mir  Herr  v.  Blowitz,  „mit  30  000  Franks  jährlich"“.  Das  hat  damals  mein
Selbstvertrauen  gestärkt,  und  noch  heute  macht  die  Erinnerung  mir  Vergmügen.
  Ich  habe  im  allgemeinen  beobachtet,  daß  es  wenige  Politiker  gibt,
die  nicht,  namentlich  wenn  kein  Journalist  zugegen  ist,  gern  einmal  über
die  Presse  raisonnieren.  Aber  es  gibt  noch  weniger  Politiker,  die  nicht  wünschten,
  daß  die  Presse  von  ihnen  selbst  nett  sprechen  möchte,  und  am  allergeringsten
  ist  die  Zahl  derjenigen  Politiker,  die  es  ertragen  können,  daß  die
Presse  sich  gar  nicht  mit  ihnen  beschäftigt.  Das  Veilchen,  das  im  Verborgenen
blüht,  das  gute  Blünchen  will  keiner  sein.

Seien  Sie  auch  gerecht,  meine  Herren,  was  wären  Achilles  und  Hector
und  Diomedes  ohne  Homer!  Wie  das  Schallrohr  der  Presse  die  Töne
weiterträgt,  so  haften  sie  im  Gedächtnis  der  Menschen,  so  wirken  sie  auf
die  Menschen.  Groß,  sehr  groß  ist  in  unseren  Tagen  die  Macht  der  Presse.
Sie  kann  Gerüchte  verbreiten,  Vorstellungen  erwecken,  Ansichten  hervorrufen,
  Uberzeugungen  begründen,  die  für  lange  Zeit  hinaus  durch  nichts
mohr  zu  erschüttern  sind.  Die  wenigsten  machen  sich  klar,  daß  das  ein  Novum
ist  in  der  Weltgeschichte,  in  der  Kulturgeschichte  der  Menschheit.  Wenn  in
früheren  Jahrhunderten  ein  Libell  diese  oder  jene  Maliee  brachte,  so  fand