September,  Oktober  1908.  335

Wir  sind  nun  einmal  darauf  angewiesen,  auf  dieser  Welt  mit=  und
nebeneinander  auszukommen.  Das  haben  Sie  selbst  anerkannt,  indem
Sie  sich  zu  einer  internationalen  Vereinigung  zusammen  getan  haben.
Da  sind  Sie  angewiesen  auf  den  gegenseitigen  guten  Willen.  Nehmen  Sie
das  als  Abbild  und  Vorbild  des  Verkehrs  und  des  Zusammenlebens  der
Völker.  Auch  die  Völker  sind  in  ihren  internationalen  Beziehungen
angewiesen  auf  guten  Willen  und  ehrliches  Entgegenkommen,  auf  gegenseitiges
  Verständnis  und  auf  freundlichen  Ausgleich.

Und  nun  meine  Herren,  bedenken  Sie,  wieviel  die  Presse,  wieviel  Sie
dazu  beitragen  können,  diese  Beziehungen  freundlicher  zu  gestalten  und
zu  glätten,  wieviel  Sie  aber  auch  tun  können,  um  diese  Beziehungen  zu
vergiften  und  in  Feindschaft  zu  verwandeln.  Ein  gewaltiges  Instrumem
ruht  in  Ihrer  Hand,  gleich  geeiguet,  zu  nützen  und  zu  schaden.  Mögen  es
stets  erfahrene  Hände  sein,  denen  dies  Justrument  anvertraut  ist,  erleuchtete
  Köpfe,  die  zu  dirigieren  wissen,  zum  Heile  der  Menschheit,  und  zum
Besten  der  Völker.

(Beifall.)

Und  nun,  meine  Herren,  wünsche  ich  Ihnen  noch  einmal  besten  Erfolg
für  Ihre  Arbeiten  und  nochmals  herzlichen  Dank  für  Ihr  Kommen,  Ihnen
und  Ihren  Damen!

(Lebhafter  Beifall.)

LlII.  Cuthüllungsfeier  in  der  Walhalla.

Am  18.  Oftober  1908  traf  der  Reichskanzler  zur  Teilnahme  an  der  Feier  der  Enthüllung
der  Büste  des  Fürsten  Bismarck  in  der  Walhalla  in  Regensburg  ein.  Bei  dem  Festakte
in  der  Walhalla  ergriff  nach  einer  Rede  des  bayerischen  Ministerpräsidenten  Freiherrn
v.  Podewils  Fürst  Bülow  das  Wort:

Euere  Exzellenzen!  Meine  Herren!  An  dieser  weihevollen  Stätte
kann  kein  Deutscher  stehen,  ohne  im  tiefsten  Herzen  ergriffen  zu  werden
von  den  gewaltigen  Erinnerungen,  welche  um  die  hier  vereinigten  Denkmäler
  der  edelsten  Geister  unseres  Volkstums  schweben.  Deutscher  tritt
—  wie  der  hohe  Erbauer  es  erhoffte  und  worau  Euere  Exzellenz  soeben
erinnerte  —  der  Deutsche  heraus  aus  dieser  Halle.  Und  wenn  künftig  der
Besucher  das  Auge  auf  dem  nun  enthüllten  Abbild  Otto  v.  Bismarcks  ruhen
lassen  wird,  auf  dem  Bild  des  Deutschesten  aller  Deutschen,  so  wird  ihm
zum  Bewußtsein  kommen,  wie  das  Werk  König  Ludwigs  I.  sich  in  gleichem
Maße  innerlich  vollendet  hat,  wie  unserem  Volke  das  höchste  Gut,  die  natio-