336  LIII.  Rede  in  der  Walhalla.

nale  Einheit,  zurückgewonnen  wurde.  Daß  hier  dem  Fürsten  Bismarck
als  dem  Vollender  der  deutschen  Einheit  ein  Denkmal  errichtet  werden
konnte,  ist  ein  Höhepunkt  in  der  Geschichte  dieses  Baues,  die  ihr  Ziel  findet
in  der  Erfüllung  der  nationalen  Träume  König  Ludwigs.

Lassen  Sie  uns  einen  Augenblick  bei  jener  trüben  Zeit  verweilen,
wo  den  Kronprinzen  Ludwig  zum  ersten  Male  der  Plan  der  Walhalla  beschäftigte,
  den  er  als  König  so  herrlich  verwirklicht  hat.  Es  waren  —  er  hat
es  selbst  gesagt  —  die  Tage  von  Austerlitz,  Ulm  und  Jena,  die  Zeit  unserer
Selbstzerfleischung  und  tiefsten  Erniedrigung.  Dem  Genius  unseres  Volkes
schienen  die  Schwingen  für  immer  zerbrochen,  und  ein  Schwärmer  hieß,
wer  noch  an  eine  Zukunft  des  deutschen  Namens  glaubte.  Als  ein  Schwärmer
mag  auch  der  königliche  Jüngling  vielen  erschienen  sein,  der  gerade  in  diesen
Tagen  den  unerschütterlichen  Glauben  an  eine  nationale  Wiedergeburt
und  Einigung  des  deutschen  Volkes  nicht  aufgab.  Sein  Hoffen  wurde  erfüllt,
vornehmlich  durch  den  Mann,  dem  heute  dies  Denkmal  geweiht  wird,
erfüllt  durch  gemeinsame  Tat  der  deutschen  Stämmc,  des  ruhmvollen
bayerischen  Stamms  nicht  zuletzt.  Und  es  war  auch  ein  geschichtlicher  Akt
von  tiefer  symbolischer  Bedeutung,  daß  ein  Sohn  König  Ludwigs,  daß  der
verehrungswürdige  Regent  des  Königreichs  Bayern  es  gewesen  ist,  durch
dessen  Hände  jener  für  die  Kaiserfrage  entscheidende  Brief  in  Versailles
an  König  Wilhelm  I.  gelangte.  Dieser  Schicksalsfügungen  uns  zu  erinnern,
werden  wir  heute  besonders  aufgefordert,  wo  wir  Sr.  Königlichen  Hoheit
dem  Prinzregenten  ehrfurchtsvollen  Dank  darbringen  für  die  Errichtung
dieses  Denkmals,  für  die  hochherzige  Wahrung  des  Vermächtnisses  seines
verewigten  Herru  Vaters.

Und  wenden  wir  unn  den  Blick  zu  dem  Bilde  des  Fürsten  Bismarck,
so  wird  auch  die  Erinnerung  an  die  treue  Sorgfalt  wach,  welche  der  erste
Kanzler  des  Deutschen  Reichs  seinen  Beziehungen  zu  Bayern  und  zum
bayerischen  Königshause  zuwandte.  Er  war  stolz  darauf,  daß  seine  Ahnen
vom  Kaiser  Ludwig  und  dessen  Nachfolgern  in  der  Mark  Brandenburg
ausgezeichnet  worden  waren.  Und  wie  hohe  Bedeutung  er  dem  schönen
Verhältnis  des  Vertrauens  beimaß,  in  dem  er  zu  König  Ludwig  II.  stand,
das  hat  er  noch  in  seinen  „Gedanken  und  Erinnerungen"  bekundet,  wo
niemand  ohne  Bewegung  die  Briefe  lesen  wird,  die  er  an  den  verewigten
König  schrieb  und  von  ihm  empfing.  Es  spricht  aus  diesen  Briefen  neben
der  Verehrung  für  das  bayerische  Königshaus  auch  jene  weise  Schätzung
des  nationalen  Wertes  der  deutschen  Fürstenhäuser,  die  Fürst  Bimarck
einmal  im  Reichstag  in  den  Worten  niederlegte:  „Mein  Vertrauen  darüber,
daß  unsere  Einheit  auch  in  Zukunft  gesichert  sei,  beruht  heutzutage  auf  den