338  LIIII.  Reden  in  Regensburg.  —  LIV.  Internat.  Urheberrechtskonferenz.

Knaben  blicken,  der  solche  Erinnerungen  wachruft,  die  Erinnerung  an  seinen
zu  früh  dahingegangenen  Vater,  an  seinen  unsterblichen  Großvater,  diesen
jungen  Fürsten,  von  dem  wir  hoffen,  daß  er  einst  seinen  großen  Namen
würdig  tragen  möge.  Wir  hoffen  alle,  daß  das  liebe  Kind  sich  von  dem
Unwohlsein,  von  dem  es  eben  befallen  wurde,  bald  ganz  wieder  erholen  möge.

Meine  Herren,  unsere  Herzen  sind  noch  erfüllt  von  den  Eindrücken
der  weihevollen  Stunde,  die  wir  soeben  in  der  Walhalla  verbracht  haben.
Und  hier  in  dieser  kerndeutschen  Stadt  wird  man  die  Bedeutung  dieser
Feier  allgemein  mitempfinden.  Sind  Sie  doch  gewissermaßen  zur  Wacht
bestellt  für  das  große  Werk  des  edlen,  im  tiefsten  Sinne  deutschen  Königs,
zu  dem  immer  wieder  die  Gedanken  zurückkehren,  angeregt  durch  seine
unvergänglichen  Schöpfungen,  durch  sein  unermüdliches  Wirken  für  die
Erweckung  nationaler  Kunst  und  die  Pflege  nationaler  Gesinnung.  Die
Chronik  der  Stadt  Regensburg  lehrt  auf  allen  Blättern,  wie  schwer  es  dem
deutschen  Volke  geworden  ist,  zu  dem  Besitze  der  Einheit  zu  gelangen,  der
wir  uns  heute  erfreuen.  Wenn  irgend  eine  Stadt,  so  weiß  Regensburg,
daß  Deutschland  steht  und  fällt  mit  seiner  Einheit.  Im  Innern,  da  mag
es  Streit  geben,  Kampf  der  Meinungen  und  Parteien,  Gegensätze  mancher
Art.  Der  Kampf  ist  der  Vater  aller  Dinge.  Aber,  wo  es  um  die  Größe,
die  Macht  und  das  Ansehen  des  Landes  geht  —  da  gibt  es  nur  ein  Deutschland.
  Von  dieser  Einsicht  ist  die  ganze  Nation  erfüllt.  Ich  leere  mein  Glas
auf  das  Wohl  der  Stadt  Regensburg  und  ihrer  Vertreter  und  auf  die  Einheit
der  Nation.

Um  4  Uhr  nachmittags  fand  im  Regierungsgebäude  ein  Festessen  statt,  dem  sämt—
liche  Ehrengäste  und  die  anderen  Teilnehmer  an  der  Walhalla-Feier  beiwohnten.  Den
ersten  Toast  brachte  der  Reichskanzler  Fürst  Bülow  aus.  Er  sagte:

Ich  bin  überzeugt,  Ihrer  Aller  Empfinden  entgegenzukommen  und
Ihre  Gefühle  wiederzugeben,  wenn  ich  Sie  auffordere,  mit  mir  auf
das  Wohl  Seiner  Königlichen  Hoheit  des  Prinzregenten  von  Bayern  zu
trinken.

Mehr  als  zwei  Jahrzehnte  sind  verflossen,  seit  Seine  Königliche  Hoheit
unter  schwierigen  Verhältnissen  die  Regierung  über  Bayern  übernahm,
und  heute  können  wir  sagen,  daß  er  die  Verehrung  nicht  nur  des  Bayernvolkes,
  sondern  aller  Deutschen  genießt.  Insbesondere  ist  Seine  Majestät
der  Deutsche  Kaiser  erfüllt  von  der  innigsten  Freundschaft  und  Hochschätzung
für  seinen  erlauchten  Oheim  und  Freund.  Wir  alle  wissen,  daß  der  Prinzregent
Einsicht  mit  strenger  Pflichterfüllung  und  wahrer  Menschlichkeit  verbindet.
Und  wenn  es  etwas  gibt,  was  uns  den  Prinzregenten  noch  teurer  machen

könnte,  so  ist  es  sein  einfaches,  schlichtes  und  echt  vornehmes  Wesen.  Esist  mir