342  Rathenau.  —  Wildenbruch.  —  Staasbürgerl.  Erziehung.

Industric  zu  wirken  und  die  Früchte  Ihres  arbeitsvollen  Lebens  im  Kreise
der  Ihrigen  zu  genießen.
Mit  der  Versicherung  meiner  wahren  Hochachtung  bin  ich,  verehrter
Herr  Geheimrat
Ihr  sehr  ergebener
(gez.)  Bülow.

LlI  X.  Erust  von  Wildenbruch.

Beim  Tode  Erust  von  Wildenbruchs  richtete  der  Reichskanzler  an  Frau  von  Wildenbruch
  nachstehendes  Telegramm:  ½)

Meine  Frau  und  ich  nehmen  innigen  Anteil  an  Ihrem  tiefen  Schmerzc.
Wir  trauern  um  einen  gottbegnadeten  Dichter,  einen  edlen  Patrioten  und
einen  Bannerträger  unseres  nationalen  Idealismus.  Möge  Ihnen,  verehrte
gnädige  Frau,  die  Teilnahme  des  deutschen  Volkes  an  diesem  herben  Verlust
Trost  und  Linderung  bringen.

Die  „Neue  Revuc“  brachte  später  noch  die  folgende  Außerung  des  Fürsten  Bülow
über  den  Dichter2):

Die  Zeitungen  haben  beim  Tode  Wildenbruchs  so  viele  schöne  und
verständnisvolle  Würdigungen  seiner  Persönlichkeit  veröffentlicht,  daß  ich
das  Gefühl  habe,  es  bleibe  kaum  noch  etwas  zu  sagen.

Ganz  allgemein  hat  sich  die  Empfindung  geltend  gemacht,  daß  Wilden--bruchs
  Tod  einen  nationalen  Verlust  bedeutet.

Ich  selber  teile  diese  Empfindung.

Ich  glaube,  daß  sein  begeisterndes  Wort  noch  manchesmal  uns  fehlen
wird,  wenn  es  gilt,  das  Volk  mit  vaterländischen  Gedanken  zu  erfüllen.

Ich  glaube,  daß  wir  ihn  noch  oft  vermissen  werden,  wenn  die  Nation
aufrichtenden  Zuspruchs  bedarf;  und  ich  meine,  daß  wir  ihn  auch  da  entbehren
  werden,  wo  Entrüstung  gegen  Niedrigkeit  und  Gemeinheit  ehrlichen
und  vornehmen  Ausdruck  sucht.

Es  war  eine  reine  und  klare  Flamme,  die  in  seinem  Herzen  brannte.

Daß  sie  so  früh  erloschen  ist,  werden  wir  alle  noch  lange  beklagen.

1)  Nordd.  Allg.  Ztg.  19.  Januar  1909.
2)  Berliner  Lokal-Anzeiger  27.  Jannar  1909.